Lernmodule

Filmgestalterische Mittel im Dokumentarfilm

Dokumentarfilm im Unterricht 2

Luc-Carolin Ziemann

CC BY-SA 4.0/Herausgeber: Freiwillige Selbstkontrolle Fernsehen, Landesinstitut für Schule und Medien Berlin-Brandenburg, VISION KINO, 11/2021

Die Lerneinheit Dokumentarfilm im Unterricht ist ein modularer Baukasten zur pädagogischen Adaption.

Im Modul 2: Filmgestalterische Mittel im Dokumentarfilm liegt der Fokus auf der Frage, wie auch Dokumentarfilme durch den bewussten Einsatz filmischer Gestaltungsmittel ihre Geschichten erzählen und die Wahrnehmung des Publikums lenken. Wie gelingt es Dokumentarfilmen, die „Wirklichkeit“ wiederzugeben und Authentizität und Glaubwürdigkeit herzustellen? Wie kann eine fremde Welt durch Bildgestaltung, Ton und Montage plötzlich ganz nah wirken? Wie werden Archivmaterialien, Animationen oder auch inszenierte Szenen in einen Dokumentarfilm integriert? Und wie prägt ein Off-Kommentar die Filmerzählung?

Die Bildgestaltung hat großen Einfluss darauf, wie das Publikum Orte und Menschen im Film wahrnimmt. Im Dokumentarfilm prägt die Arbeit der Kamerapersonen aber nicht nur die entstehenden Bilder, sondern auch die Situation vor der Kamera.

Besonderheiten im Dokumentarfilm

Da die Menschen im Dokumentarfilm keine Schauspieler:innen und nicht daran gewöhnt sind, vor einer Kamera zu agieren, ist eine gelingende Interaktion zwischen Regie, Kamera und den Protagonist:innen eine elementare Voraussetzung dafür, dass sich die Menschen bei den Dreharbeiten weitestgehend so zeigen können, wie sie sind. Wenn dokumentarisch gearbeitet wird, muss die Kamera einerseits auf unvorhersehbare Aktionen der Hauptpersonen reagieren, andererseits aber so zurückhaltend wie möglich agieren, um die Personen vor der Kamera nicht abzulenken.

Trotz aller angestrebten Unmittelbarkeit überlegen Dokumentarfilmer:innen schon im Vorfeld, welche Szenen sie filmen wollen und wie die gedrehten Bilder aussehen sollen. Frühe und genaue Absprachen zur Bildgestaltung mit der Regie ermöglichen der Kameraperson eine größere Flexibilität während der Dreharbeiten. Schließlich kann im Dokumentarfilm eine Szene kaum unterbrochen oder nochmals gedreht werden.

Ein wichtiger Teil dokumentarischen Arbeitens ist der Einsatz von Schnittbildern, die während der Dreharbeiten (mitunter mit einer zweiten Kamera) aufgenommen werden und dazu dienen, im Schnitt Anschlüsse herzustellen und dabei Interviews und Gespräche zu verkürzen, die Perspektive zu wechseln oder Details gezielt in den Fokus zu rücken. Schnittbilder kommen sowohl bei Interviews als auch bei beobachtenden Filmen zum Einsatz und dienen im Allgemeinen dazu, die handlungsleitenden Bilder zu ergänzen und den Film visuell zu bereichern.

Bildgestaltung

Die Kamera kann sich auf Details konzentrieren, das Gegenüber im klassischen Portrait zeigen oder das Geschehen aus einer gewissen Entfernung begleiten. Die Wahl der Einstellungsgröße entscheidet darüber, wie nah die Kamera den Protagonist:innen kommt, oder, anders gesagt: wie groß oder klein die Menschen im Bild zu sehen sind. Als Faustregel gilt: Je stärker sich die Kamera den Menschen annähert, desto mehr Details werden sichtbar und es stellt sich Nähe her. Nähe bedeutet in diesem Zusammenhang aber nicht nur, „nah dran“ zu sein, sondern beschreibt auch das hergestellte Verhältnis zu den Menschen vor der Kamera.

Ein wichtiger Aspekt ist, mit welchen Objektiven, Blenden und Brennweiten der Kamera gearbeitet werden soll. Aus diesen Entscheidungen folgt, wie die Räume im Film wirken, und sie legen fest, wie Schärfe und Unschärfe sichtbar werden. Im Dokumentarfilm, in dem die Kamera oft auf unvorhergesehene Bewegungen reagieren muss, ist gerade das essenziell. In unübersichtlichen Situationen sollte auf jeden Fall eine Kameraeinstellung gewählt werden, die einen möglichst großen Schärfebereich aufweist und so dem Publikum auch bei unerwarteten Bewegungen ein scharfes Bild ermöglicht. Indem sie bewusst die Bildschärfe verlagern, können Kameraleute zudem bestimmte Personen oder Objekte im Bild hervorheben und so visuelle Akzente setzen.

Kameraperspektive

Die Wahl der Kameraperspektive spielt gleichfalls eine zentrale Rolle, wird durch sie doch das Verhältnis der Betrachtenden zu den Betrachteten vermittelt. Es macht einen großen Unterschied, ob eine Kameraperson aus Augenhöhe auf das Geschehen blickt oder ob sie die Menschen vor der Kamera von oben oder unten filmt.

Anders als im Spielfilm, der teilweise mit sehr extremen Untersichten (Froschperspektive) oder Draufsichten (Vogelperspektive) operiert, ist die Wahl der Perspektive im Dokumentarfilm oft schlicht davon abhängig, wie groß die Person ist, die die Kamera führt bzw. wie viele Personen aufgenommen werden sollen. Bei einem Film über Kinder ist zu bedenken, dass eine sehr große Kameraperson dauerhaft zu einer leichten Aufsicht kommt, die zwar Orientierung schafft, aber gleichzeitig das Gefühl vermittelt, das Geschehen vor der Kamera aus einer gewissen Distanz heraus zu betrachten.

Kameraführung

Die Frage, ob mit einer Handkamera, einer statischen Kamera oder einer Kombination beider gearbeitet werden soll, wird ebenfalls vor Drehbeginn geklärt. Ein Stativ erlaubt, die Bilder sehr viel genauer einzurichten und zu planen. Dieser Vorteil wird aber zum Nachteil, wenn sich das Geschehen vor der Kamera dynamischer gestaltet als gedacht und sich die Protagonist:innen aus dem einmal gewählten Bildausschnitt entfernen. Eine Handkamera (heutzutage auch häufig: eine Steadicam[1] oder ein Gimbal[2]) bietet den Vorteil, dass die Kameraperson sich relativ frei (wenn auch nicht immer schnell) bewegen und damit dem Geschehen flexibel folgen kann. Allerdings muss der Umgang mit der Steadicam, dem Gimbal oder der Handkamera gut geübt sein, denn jede unbedachte Kamerabewegung bringt das Filmbild ungewollt ins Schwanken.

Im Dokumentarfilm wirkt sich die Art und Weise, wie die Kameraperson arbeitet, immer auch auf die Situation vor der Kamera aus. Je geringer der Abstand zwischen Protagonist:innen und Kamera, desto eher fühlen sich die Menschen beobachtet, womöglich sogar bedrängt oder sie beginnen unbewusst, für die Kamera zu agieren. Andererseits wird es umso schwieriger, Emotionen und kleine Details des Geschehens zu vermitteln, je größer der Abstand ist. Es gilt also abzuwägen, was der Situation, die gefilmt werden soll, am meisten entspricht und sich dann zwischen Nähe und Distanz zu entscheiden.

Im Klaren sollten sich alle Beteiligten darüber sein, dass eine Kamera fast immer registriert wird. Beobachtende Filmprojekte können durch eine längere Drehbegleitung aber ein Vertrauen entwickeln, so dass die Protagonist:innen der Kamera im Laufe der Dreharbeiten immer weniger gewahr werden.

Vertiefung

Vertiefung zu Kameraperspektive: https://filmpuls.info/kameraperspektive, abgerufen am 15.11.2021

Vertiefung zu Kamerabewegung: https://filmpuls.info/kamerabewegungen, abgerufen am 15.11.2021

Vertiefung zu Einstellungsgrößen: https://filmpuls.info/einstellungen-einstellungsgroesse-bildausschnitt, abgerufen am 15.11.2021

Überblick für Grundschulbereich: https://www.planet-schule.de/wissenspool/filmbildung-in-der-grundschule/inhalt/unterricht.html, abgerufen am 15.11.2021

Interview und Gespräch

Geplante Interviews oder Gespräche sind ein wichtiges Element vieler Dokumentarfilme. Sogenannte „Sit-Down-Interviews“, die meist aus mehreren Kameraperspektiven gefilmt werden, gehören zu den häufig praktizierten Formen. Gefilmt werden meist alle Gesprächspartner:innen (also auch die Interviewenden), im fertigen Film werden aber teilweise nur die Antworten der interviewten Personen verwendet. Solche aufwändig vorbereiteten Interviewsituationen, in denen verhältnismäßig viele Menschen am Set sind, haben oft einen formellen Charakter. Daher eignen sie sich eher für informative Gespräche als für persönliche Einblicke.

Intimere Gesprächssituationen lassen sich herstellen, indem Gespräche auf scheinbar oder tatsächlich beiläufigere Art stattfinden, weniger Personen (und weniger Kameras) dabei sind und indem Drehorte gesucht werden, die den Gesprächspartner:innen ein Gefühl von Sicherheit vermitteln. Es ist keine Seltenheit, dass bei Gesprächen über heikle, sehr persönliche Themen manchmal sogar gänzlich ohne Kamera gearbeitet und nur der Ton aufgezeichnet wird. Das Audiomaterial kann dann in der Montage mit anderen Bildern verbunden werden.

Geht es darum, Gespräche zwischen zwei oder mehr Protagonist:innen dokumentarisch zu filmen, unterscheidet sich die Situation grundlegend von einem eingerichteten Interview, bei dem mehrere Kameras die jeweiligen Perspektiven der Sprechenden einnehmen und das Gespräch mit der Schuss-Gegenschuss-Technik[3] montiert wird. In Fällen wie diesen kommen häufig sogar zwei Handkameras zum Einsatz. In der Montage werden die verschiedenen Kameraperspektiven aber selten direkt miteinander gekoppelt, sondern es wird eher mit Schnittbildern gearbeitet.

Vertiefung

Vertiefung zu Interview und Gespräch: http://www.interview-im-dokumentarfilm.de, abgerufen am 15.11.2021

Altersempfehlung:
ab Jahrgangsstufe 5

(Zusatz)Material:
einzelne Szenen bzw. Stills aus dem Film. Die Stills werden, wenn nicht bereits vorhanden, den Analyseaufgaben folgend selbst hergestellt (ein link zu einer Anleitung zum Erstellen von Filmstills folgt in Kürze).

Filmdidaktische Hinweise:
Die Schüler:innen analysieren anhand der folgenden Aufgaben die Bildgestaltung des Films. Sie erfassen und hinterfragen, welche bildgestalterischen Entscheidungen zu welchen Ergebnissen führen. Die Aufgaben können je nach eigenen Schwerpunktsetzungen unabhängig voneinander gestellt werden und sind kombinierbar. Die Schüler:innen können die Stills zu den einzelnen Untersuchungsfragen auch selbst auswählen und herstellen.

A 1 – Bildgestaltung und Kameraführung

  • Am Beispiel von Stills aus dem Film unterschiedliche Einstellungsgrößen im Hinblick auf ihre Aussage und Wirkung vergleichen
  • Am Beispiel von Stills aus dem Film unterschiedliche Kameraperspektiven im Hinblick auf ihre Aussage und Wirkung vergleichen
  • Wenn es sich anbietet: Analyse der Bildgestaltung hinsichtlich der Farbgestaltung. Hier kann ebenfalls mit Stills oder mit Ausschnitten gearbeitet werden.
  • Die Kameraführung untersuchen: Welche Arten der Kameraführung lassen sich erkennen? Festeinstellung/Stativkamera, Handkamera, Kamerafahrten, Drohnenkamera etc.
  • Zwei oder drei Szenen mit unterschiedlicher Kameraführung gegenüberstellen: Wie unterscheiden sich die Szenen? Welchen Effekt haben die unterschiedlichen Kameraführungen auf die Bildgestaltung? Wie werden Aussage und Wirkung der Szenen durch die unterschiedlichen Arten der Kameraführung mitbestimmt?

A 2 – Zentrale Bilder und visuelle Elemente

  • Wie wird das Thema des Films visuell aufbereitet?
  • Gibt es zentrale Bilder oder visuelle Elemente im Film? Welche sind das und warum wurden wohl ausgerechnet diese Bilder oder Elemente gewählt, geschaffen und im Film aufgenommen? Welchen Einfluss haben diese Bilder auf die Meinungsbildung zum Thema des Films?
  • Oder: Verzichtet der Film bewusst auf solche Bilder und warum könnte sich die Regie dafür entschieden haben?

A 3 – Die Bildgestaltung rekapitulieren und bewerten

  • Welche Elemente der Bildgestaltung fallen besonders ins Auge? Warum wurde diese Art der Bilder bzw. diese Bildsprache gewählt?
  • In welchem Verhältnis steht die Bildgestaltung zum Thema des Films?
  • Unterstützt die Bildgestaltung die Aussage(n) des Films, konterkariert sie sie oder lenkt sie womöglich sogar von den Inhalten ab?
  • Welche weiteren Möglichkeiten der Bildgestaltung hätte es gegeben?

A 4 – Inszenierung der Protagonist:innen

  • Wie sind die Protagonist:innen ins Bild gesetzt?
  • Sind alle handelnden Personen auf ähnliche Weise gefilmt oder gibt es Unterschiede hinsichtlich der Perspektive, der Einstellungsgröße, der Farbgestaltung, des Aufnahmeortes?
  • Vergleich verschiedener Aufnahmen der gleichen Person in unterschiedlichen Szenen und Analyse der je unterschiedlichen Bildgestaltung und ihrer Wirkung

Schwerpunkt: Bildgestaltung von Interviewsituationen

  • Wie war die Gesprächssituation und wie wird sie im Film gezeigt? Wie passt das Setting zum Thema des Gesprächs?
  • Welche Einstellungsgrößen und Perspektiven wurden gewählt und mit wie vielen Kameras wurde vermutlich gedreht?
  • Sind alle Beteiligten (Fragende und Befragte) im Bild zu sehen? Wenn ja, wie ist das Bild eingerichtet und welche Rückschlüsse auf die Beziehung der Menschen vor und hinter der Kamera lassen sich aus der Bildgestaltung ziehen? Wenn nein, was könnte der Grund dafür sein, dass die fragende Person nicht zu sehen ist? Welche Vor- und Nachteile hat diese Herangehensweise?
  • Werden in der Montage des Interviews Schnittbilder verwendet?
    Welche Art von Bildern werden dafür genutzt und wozu dienen diese Schnittbilder (Illustration oder Kontrastierung des Gesagten, Ablenkung, Illustration etc.)?
    Was könnte der Grund für diese Art der Montage sein? Wie wirkt sich die Art und Weise des Schnitts auf den Inhalt des Gesprächs aus?

Die Darstellung der Protagonist:innen rekapitulieren und bewerten

  • Warum wurden die Protagonist:innen auf diese Weise ins Bild gesetzt?
  • In welchem Verhältnis stehen die Aussagen und die visuelle Repräsentanz der Hauptpersonen?
  • Welche anderen Herangehensweisen wären denkbar? Was würde sich dadurch verändern?

A 5 – Inszenierung der filmischen Räume und Drehorte

Die Entscheidung darüber, an welchem Ort und in welchen Räumen ein Dokumentarfilm gedreht wird, trägt ganz erheblich dazu bei, wie die Protagonist:innen auftreten und wie sie im Film wirken. So macht es einen Unterschied, ob eine Person in ihrem Wohnzimmer, an ihrem Arbeitsplatz oder in einem TV-Studio interviewt wird. Die Drehorte haben Einfluss auf das Verhalten der interviewten Personen und damit darauf, wie die Personen erlebt werden.

  • Welche Drehorte wurden gewählt?
  • Wie werden die Drehorte visuell vorgestellt, bzw. eingeführt?
  • Die Personen den Drehorten zuordnen: Welche Person ist wo zu sehen? Wie beeinflusst die Wahl des Drehortes die Wahrnehmung der Person?
  • In welchem Zusammenhang steht der Drehort zum Thema des Films und zur Person und ihrer Funktion im Film?

Den Umgang mit Räumen rekapitulieren und bewerten

  • Warum konzentriert sich der Film gerade auf die gezeigten Räume?
  • Welche Rückschlüsse lassen sich daraus ziehen, dass der Film die Protagonist:innen im Raum so und nicht anders zeigt?
  • Gibt es andere Drehorte, die sich ebenfalls angeboten hätten, und wie hätte eine andere Verortung die Aussage bzw. die Wirkung des Films beeinflusst?

A 6 – Beobachtungsaufgaben zum Bild

Es kann sinnvoll sein, den Schüler:innen direkt vor Beginn der Film-Vorführung eine oder mehrere Beobachtungsaufgaben zu stellen, um ihre Aufmerksamkeit gezielt auf ausgewählte Aspekte des Films zu lenken.

  • Was sind zentrale Bilder des Films?
  • Wie werden die Protagonist:innen gefilmt (aus der Nähe, aus der Ferne, aus unterschiedlichen Kameraeinstellungen)?
  • Wie arbeitet der Film mit Farben?

Beobachtungsaufgaben bieten sich insbesondere dann an, wenn der inhaltliche Schwerpunkt des Filmgesprächs oder der Analyse bereits feststeht. Indem mehreren Teams abweichende Aufträge erteilt werden, entstehen unterschiedliche Expert:innengruppen, deren Erkenntnisse sich im nachfolgenden Gespräch ergänzen können. Beobachtungsaufgaben eignen sich sehr gut als Einstieg in das Gespräch nach dem Film.

Aber Vorsicht: Den Film unvoreingenommen zu sehen kann erschwert werden, wenn die Beobachtungsaufgaben zu detailliert ausfallen. Ergebnisse und Erkenntnisse, die aus den Beobachtungsaufgaben gewonnen wurden, müssen nach dem Film auch abgefragt werden. Sie sind vor allem dann sinnvoll, wenn im Anschluss eine Filmanalyse vorgenommen werden soll.

Der Ton gehört zu den am meisten unterschätzten filmsprachlichen Mitteln – und dies, obwohl gerade die Tongestaltung in der Lage ist, die Wahrnehmung des Publikums direkt oder subtil nachhaltig zu beeinflussen. Die Filmmusik ist dagegen ein gestalterisches Mittel, das, gleich in welchem Filmgenre, oft als sehr präsent wahrgenommen wird,. Die sprichwörtlichen Geigen im romantischen Liebesfilm sind allen ein Begriff. Dabei darf nicht vergessen werden, dass Musik nicht nur emotionale Szenen weiter akzentuieren, sondern auch dafür eingesetzt werden kann, Spannung zu erzeugen, Gefühle zu verstärken oder Reflexionsräume und -ebenen zu erschaffen.

Auch der Kommentar ist ein filmisches Mittel, das einen Film enorm prägen kann. Während Kommentare im Spielfilm seltener sind, ist ein begleitender Off-Kommentar ein charakteristisches filmisches Mittel, das viele Menschen mit dem Dokumentarfilm verbinden. Es gibt verschiedene Arten des Kommentars, aber auch zunehmend Dokumentarfilme, die bewusst auf einen Kommentar verzichten, um dem Publikum den Raum für eigene Interpretationen zu belassen.

Besonderheiten im Dokumentarfilm

Anders als im Spielfilm, wo eine Szene problemlos wiederholt werden kann, wenn eine Aufnahme nicht geglückt ist, stellt diese Situation Dokumentarfilmschaffende vor Probleme. Eine Frage in einem Interview zu wiederholen ist vielleicht sogar möglich. Nicht möglich ist es dagegen in vielen Fällen, eine beobachtete Situation nachzustellen, weil die Aufnahme technisch nicht in Ordnung ist.

Da dokumentarische Aufnahmen - im Gegensatz zum Spielfilm - nicht in einem abgeschirmten Setting stattfinden, ist es häufig schwierig, etwa unerwünschte Geräusche auszuschließen. Der Bildausschnitt lässt sich gegebenenfalls korrigieren, indem die Kamera entsprechend ausgerichtet wird, kaum zu beheben ist das Problem, wenn vor Ort Geräusche auftreten, die die Tonaufnahme stören.

Die Tonaufnahme

Das gesprochene Wort spielt in der dokumentarischen Filmerzählung eine große Rolle, auch und vor allem dann, wenn der Film einen Off-Kommentar nicht vorsieht. Besonders in beobachtenden Dokumentarfilmen bildet das Tonmaterial den roten Faden, an dem entlang im Schnitt die Erzählung aufgebaut wird.

Bei dialoglastigen Filmen werden meist die zentralen Szenen transkribiert, noch bevor der Film in den Schnitt geht, um entscheiden zu können, wie sich aus dem Gesagten eine sinnvolle Erzählung formen lässt. Die Bilder werden dann in einem zweiten Schritt „auf den Ton“ geschnitten. Das heißt im Umkehrschluss: Hat das Tonmaterial Lücken, reißt der rote Faden und die Erzählung kommt ins Stocken. Diese Fälle verlangen nach einer dramaturgisch anderen Lösung.

Um genau das zu verhindern, wird im Dokumentarfilm großer Wert auf eine gute Tonaufnahme gelegt. Inzwischen gibt es viele Möglichkeiten dafür, aber jede Herangehensweise hat Vor- und Nachteile. In Sit-Down-Interviews wird häufig mit klassischen Standmikros oder Handheld-Mikros gearbeitet.

Das ist in beobachtenden Dokumentarfilmen, die die Menschen in ihrem Alltag begleiten, natürlich nicht möglich. Hier wird der Ton häufig durch Ansteck-Mikros aufgenommen, die wichtigsten Personen sind also „verkabelt“. Nicht praktikabel ist diese Lösung jedoch, wenn eine Menschen-Gruppe zu filmen ist. In solchen Fällen wird der Ton häufig „geangelt“. Hier hält ein:e Assistent:in ein Mikro mit Hilfe einer sogenannten „Ton-Angel“ gerade so hoch über die Köpfe der Menschen, dass der Ton gut aufgenommen werden kann, das Mikro aber nicht im Bild ist.

Die Arbeit der Tonspezialist:innen beschränkt sich nicht nur auf die Dialoge, sondern erstreckt sich auch auf die Aufnahme der atmosphärischen Töne am Drehort (Windrauschen, Regentropfen, Hintergrundgeräusche etc.). Mit einem raumgreifenden und offenen Mikrofon wird die Atmosphäre während der Dreharbeiten aufgenommen und so entsteht nach und nach eine Vielfalt an Atmosphären, mit denen in der Montage kreativ gearbeitet werden kann. Einige Filmprojekte nutzen diese Ton-Arsenale, um eine richtige Klanglandschaft (Soundscape) zu kreieren.

Tonbearbeitung und Musik

Auch jenseits von Dialogen und Atmosphären wird im Dokumentarfilm viel mit Ton gearbeitet. Im Rohschnitt findet zunächst die Montage von Dialogen und Bildern statt. Gibt es einen Off-Kommentar, wird dieser meist erst dann eingesprochen, wenn der Rohschnitt steht. Der Kommentar kann vom Filmschaffenden selbst, von den Protagonist:innen oder von professionellen Sprecher:innen eingesprochen werden. Im Feinschnitt werden anschließend alle Teile einer Szene einander angepasst, Musik oder atmosphärische Geräusche hinzugefügt und der Ton richtig „gemischt“, also in der Lautstärke reguliert und angeglichen.

Zahlreiche Dokumentarfilme verwenden zusätzlich Musik, um bewusst bestimmte Stimmungen zu erzeugen oder zu verstärken. In vielen dokumentarischen Formaten wird Musik jedoch sparsamer und dezenter eingesetzt als in Spielfilmen.

Dokumentarfilme ohne Kommentar

Dokumentarfilme ohne Off-Kommentar sind darauf angewiesen, ihre Geschichte allein mit Hilfe schlüssig montierter Szenen auf verständliche Art und Weise zu erzählen. Alles Wissenswerte muss in den gefilmten Szenen enthalten sein, weil es, ist ein Kommentar von vornherein ausgeschlossen, im Nachhinein nicht mehr hinzugefügt werden kann. Bei komplizierten Themen oder sehr komplexen Beziehungsgeflechten kann dies zu einer großen Herausforderung werden. Die Frage, ob der Film einen eigenen Kommentar haben soll oder nicht, muss deshalb unbedingt vor Drehbeginn reflektiert werden, denn sie hat großen Einfluss auf Entscheidungen während der Dreharbeiten.

Für einen Dokumentarfilm, der ohne Kommentar auskommen soll, müssen zum Teil andere Aufnahmen gemacht werden als für einen Dokumentarfilm mit Kommentar. Was im Kommentar mit einem Satz gesagt werden kann, braucht in der Beobachtung oft einige Szenen, um verständlich zu werden. Ein Kommentar könnte aber auch eine erste Interpretation des Films sein, auf die die Filmemacher:innen bewusst verzichten, um diese den Zuschauer:innen selbst zu überlassen.

Klassischer Off-Kommentar

Ein typischer Off-Kommentar wird meist im Nachhinein aufgenommen. Er kann die Bilder eines Films so stark prägen, dass die unvoreingenommene Wahrnehmung der dokumentarischen Aufnahmen darunter leidet. Auch können Off-Kommentare, die sehr objektiv und wissenschaftlich auftreten, gegebenenfalls den Eindruck erwecken, sie wollten die komplexe Wirklichkeit in einer bestimmten vorgefertigten Richtung ausdeuten. Ähnliches gilt für Kommentare, die als geschriebene Zwischentitel platziert werden.

Subjektiver Kommentar

Ein bewusst subjektiver Regie-Kommentar bestimmt die Filmerzählung auf andere Weise, macht sie persönlicher und womöglich besser verständlich. Die Ich-Perspektive erleichtert außerdem die Identifikation mit dem Erzählenden und schafft eine stärkere emotionale Bindung. Wobei ein subjektiver Kommentar auch den gegenteiligen Effekt haben kann, wenn er als aufdringlich empfunden wird und Abwehr produziert. Dabei kann der persönliche Kommentar entweder direkt während der Dreharbeiten (sozusagen „live“) aufgenommen oder im Nachhinein im Rahmen der Montage und Postproduktion eingesprochen und hinzugefügt werden.

Altersempfehlung:
ab Jahrgangsstufe 5

(Zusatz)Material:
den Film oder Ausschnitte daraus, um diese/n ggf. mehrmals sichten zu können

Filmdidaktische Hinweise:
Anhand dieser Aufgaben untersuchen die Schüler:innen, wie Dokumentarfilme durch das Sounddesign und den Einsatz von Musik gestaltet und wie durch diese filmischen Mittel bestimmte Emotionen hervorgerufen werden können. Außerdem erkennen sie, welche unterschiedlichen Kommentar-Arten es gibt; sie verstehen, wie unterschiedlich Dokumentarfilme funktionieren und wirken, je nachdem, ob sie mit oder ohne Kommentar arbeiten. Die Aufgaben stellen alternative Zugänge dar, aus denen den eigenen Zielen und Schwerpunkten entsprechend ausgewählt werden sollte.

A 1 – Audio-Protokoll erstellen und reflektieren

Nachdem sie den Film gesichtet haben, erstellen die Schüler:innen aus dem Gedächtnis eine Übersicht jener Elemente, die im Film auf der Ton-Ebene genutzt werden, und notieren erste Beobachtungen dazu. Hier geht es beispielsweise darum, welche Ton-Elemente der Film vor allem einsetzt oder welche besonders auffällig gewirkt haben.

Um die Aufgabe zu vereinfachen, kann die folgende Liste genutzt (und ergänzt oder modifiziert) werden. Die Liste steht auch als Arbeitsblatt (ARBEITSBLATT_Audioprotokoll zum Film) zur Verfügung, auf dem die im Film vorkommenden Elemente markiert und kommentiert werden können:

  • Dialoge zwischen Protagonist:innen im Bild oder im Off
  • Dialoge zwischen Protagonist:innen und Regie im Bild oder im Off
  • Monologe im Bild oder im Off
  • Innerer Monolog der Regie
  • Innerer Monolog Protagonist:in
  • Vorgelesene Texte wie Tagebucheinträge, Zeitungstexte, Briefe etc.
  • Archivaufnahmen aller Art
  • Klassischer Off-Kommentar Sprecher:in
  • Subjektiver Off-Kommentar Regisseur:in
  • Umgebungsgeräusche
  • Mitschnitte von Medieninhalten (Radio, TV etc.)
  • Musik, die direkt im Film gespielt wird
  • Musik im Off
  • Soundeffekte

ARBEITSBLATT_Audioprotokoll zum Film   PDF

Impulse zur Reflexion des Audio-Protokolls

  • Welche Tonelemente werden eingesetzt?
  • Wie werden sie verwendet?
  • Warum wurden wohl genau diese Tonelemente gewählt?

Vertiefungsaufgabe

Die vom Film genutzten Ton-Elemente werden nach einer erneuten Sichtung in ihrem Zusammenspiel und auch im Zusammenspiel mit den Bildern diskutiert. Dabei dient die Liste im Audioprotokoll als Ausgangsbasis.

Hinweis: Die Aufgabe eignet sich für Filme, die über eine komplexe Audio-Ebene verfügen. Bei längeren Filmen bietet es sich an, mit einem max. 10-minütigen Ausschnitt zu arbeiten.

  • Welche Ton-Elemente waren in der ersten Sichtung kaum wahrnehmbar, nachdem der Film nochmals angesehen worden ist, aber schon?
  • Welches sind die wesentlichen Ton-Elemente und welche Wirkung haben sie im Film auf dich?
  • Wo unterstützen oder ergänzen die Töne des Films die Bilder? Wo ließe sich eher von einer Ton-Bild-Schere sprechen, also dem Umstand, dass sich Bild und Ton gegenseitig konterkarieren? Welchen Effekt, welche Reaktion soll diese filmische Herangehensweise jeweils auslösen? Was würde passieren, wenn Musik oder Ton nicht vorhanden wären?
  • Wo verstärkt der Ton die Bilder möglicherweise unnötig? Wie hätte in diesem Ausschnitt anders mit Ton und Musik umgegangen werden können?

    A 2 – Filmdiskussion mit Schwerpunkt Kommentar

    Um über den Kommentar fundiert diskutieren zu können, empfiehlt es sich, die Fragen als Beobachtungsaufträge bereits vor dem Film zu formulieren und die Schüler:innen zu bitten, sich während der Sichtung und nach dem Film dazu stichwortartig ihre Gedanken zu notieren.

    Beobachtungsaufträge

    • Welche wesentlichen Informationen werden im Off-Kommentar vermittelt?
    • Auf welche Weise (z.B. persönlich, wissenschaftlich, humorvoll) ist der Off-Kommentar gesprochen?
    • In welchem Verhältnis steht der Off-Kommentar zu den Bildern des Films?

    Diskussionsfragen

    • Welche Art von Information wird im Kommentar transportiert?
      • Informationen, die für das Verständnis der Szenen nötig sind?
      • Weiterführende Hintergrundinformationen zum Thema?
      • Persönliche Meinungen bzw. Interpretationen?
      • Humoristische oder ironische Zuspitzungen oder Bemerkungen?
    • Wie beeinflusst dieser Kommentar die Aufnahme des Films bei den Zuschauer:innen?
    • Wie bewertet ihr diesen Kommentar? Begründet eure Meinung!
    • Welche andere Herangehensweise wäre beim Kommentar denkbar gewesen?

    Zusammenfassung der Diskussion

    • Die Ergebnisse der Diskussion sollten in drei bis vier Sätzen zusammengefasst und aufgeschrieben werden.

    A 3 – Szenenanalyse: Schwerpunkt Ton und Musik

    Hinweis: Diese Analyse eignet sich für eine Szene, in der Ton und/oder Musik eine große Rolle spielen.

    Die Beispielszene wird mehrfach gesichtet:

    • Ohne Musik und Ton, Konzentration nur auf die Bilder; nach der Sichtung wird ein Kurzprotokoll der Eindrücke erstellt.
    • Mit Original-Audiospur; nach der Sichtung erfolgt eine kurze Aussprache in der Gruppe zur Frage: Wie beeinflussen Ton und Musik Aussagen und Wirkung der Szene?
    • Die Beispielszene wird stumm abgespielt und mit einer ganz anderen Musik kombiniert; nach der Sichtung wird die Frage erörtert: Wie hat diese andere Musik die Szene verändert?
    • Variante: Es ist auch möglich, sich am Anfang nur auf die Tonspur zu konzentrieren, ohne die Bilder zu sehen, und sich die Frage zu stellen, was der Ton (inkl. eventueller Dialoge) und die Musik erzählen und wie sie wirken. Welche Bilder rufen sie in der Vorstellung wach? Erst dann wird die Szene mit Bild und Ton angeschaut.

    A 4 – Szenenanalyse: Schwerpunkt Kommentar

    Hinweis: Diese Analyse ist geeignet für Szenen, in denen der Kommentar eine große Rolle spielt.

    Die Beispielszene wird mehrfach gesichtet:

    • Ohne Ton (und damit auch ohne Kommentar), Konzentration nur auf die Bilder; nach der Sichtung werden die Eindrücke in einem Kurzprotokoll festgehalten.
    • Mit Original-Audiospur; nach der Sichtung wird die Frage diskutiert, wie der Kommentar die Szene geprägt und beeinflusst hat.
    • Variante: Zuerst nur die Tonspur ohne Bild anhören: Was erzählt die Tonspur? Welche Bilder ruft sie wach? Erst danach wird die Szene mit Ton und Bild angeschaut und vor dem Hintergrund der eigenen Überlungen diskutiert.

    A 5 – Alternative Kommentare selbst schreiben und sprechen

    Hinweise: Für diese Aufgabe kann jeder Film genutzt werden, solche mit als auch solche ohne Off-Kommentar. Auch Kleingruppenarbeit, deren Ergebnisse im Anschluss verglichen werden können, passt hier gut. Um den Aspekt vertiefend zu bearbeiten, kann auf den Text Modul 1: Dokumentarfilm – Umgang mit der Wirklichkeit / 3. Wie Dokumentarfilme arbeiten – Die sechs Modi des Dokumentarfilms nach Nichols zurückgegriffen werden.

    Zunächst werden prägnante Szenen herausgesucht, mit denen die Schüler:innen im Folgenden arbeiten:

    • Schreibt zur Szene einen Kommentar (entweder klassisch-objektiv oder aus der subjektiven Perspektive der Regie) und sprecht ihn parallel zur Sichtung der (bei Bedarf auf stumm geschalteten) Szene ein.
      Für die Planung eures Kommentars und die Entscheidung für eine Kommentar-Art könnt ihr auf den Text „Wie Dokumentarfilme arbeiten - Die sechs Modi des Dokumentarfilms“ nach Nichols zurückgreifen.
    • Tragt euch eure Vorschläge gegenseitig vor. Vergleicht, wie sich die unterschiedlichen Kommentar-Arten auf die Szenen auswirken. Wie verändern die neuen Kommentare die Szene? Gibt es evtl. sogar Beispiele dafür, dass der Kommentar nun einzelne Filmbilder überflüssig macht?

    A 6 – Wie Ton, Musik und Kommentar die Bilder und den Film prägen

    Am Beispiel längerer Filmausschnitte (ca. 5-8 Minuten) untersuchen die Schüler:innen, wie hier Ton, Musik und Kommentar eingesetzt und wie diese Elemente miteinander und mit den Bildern verschränkt werden.

    Die Schüler:innen können die dafür in Frage kommenden Ausschnitte entweder selbst wählen oder suchen sich aus zuvor definierten Ausschnitten ein Beispiel heraus. (Verweis: Anleitung zur Erstellung von Filmstills und Ausschnitten im Anhang – ein link folgt in Kürze)

    Besonderes Augenmerk sollte dabei auf die Frage gerichtet werden, welches Element welche Informationen vermittelt. Auch diese Aufgabe bietet sich als Hausaufgabe an.

     BilderTonMusikKommentar
    Welche
    Informationen
    werden
    transportiert?
        
    Welche
    Emotionen
    werden geweckt
    bzw. transportiert?
        


    Reflexion

    Nachdem sie ihre jeweiligen Film-Ausschnitte untersucht haben, tauschen sich die Schüler:innen untereinander aus und achten besonders darauf, wo ihre Beobachtungen Gemeinsamkeiten und Unterschiede aufweisen.

    • Welche Informationen erreichen die Zuschauenden über welche Ebene (Bilder, Ton und Musik, Kommentar)?
    • Wie sind die Ebenen aufeinander abgestimmt? Vermitteln die Ebenen jeweils die gleiche Information oder das gleiche Gefühl? Oder trägt jede Ebene einen eigenen Aspekt zur Aussage bei? Widersprechen sich die Ebenen möglicherweise?

    Am Ende formulieren die Schüler:innen in einer kurzen schriftlichen Zusammenfassung ihre Erkenntnisse zur Arbeit des Films mit Ton, Musik und Kommentar.

    A 7 – Beobachtungsaufgaben zum Ton

    Es kann sinnvoll sein, den Schüler:innen direkt vor Beginn der Film-Vorführung eine oder mehrere Beobachtungsaufgaben zu stellen, um ihre Aufmerksamkeit gezielt auf ausgewählte Aspekte des Films zu lenken.

    • Was alles ist zu hören (Umgebungston, Off-Ton, Extra-Töne, Musik, Kommentar etc.)?
    • Wie wirkt der Ton, wie die Musik und die Sprache auf euch?
    • Welches sind die zentralen Aussagen, die auf der Tonebene zum Ausdruck gebracht werden, und mit welchen Bildern gehen diese Aussagen einher?
    • Gibt es einen Kommentar und wenn ja, wie ist dieser gestaltet und welche Wirkung hat er?

    Beobachtungsaufgaben bieten sich insbesondere dann an, wenn der thematische Schwerpunkt des Filmgesprächs oder der Analyse bereits feststeht. Indem mehrere Teams mit unterschiedlichen Aufträgen ausgestattet werden, entstehen mehrere Expert:innengruppen, deren Erkenntnisse sich im nachfolgenden Gespräch ergänzen können. Beobachtungsaufgaben funktionieren sehr gut als Einstieg in das Gespräch nach dem Film.

    Aber Vorsicht: Den Film unvoreingenommen zu sehen kann erschwert werden, wenn die Beobachtungsaufgaben zu detailliert ausfallen. Ergebnisse und Erkenntnisse, die aus den Beobachtungsaufgaben gewonnen wurden, müssen nach dem Film auch abgefragt werden. Sie sind vor allem dann sinnvoll, wenn im Anschluss eine Filmanalyse vorgenommen werden soll.

    Bei vielen Dokumentarfilmen wird deutlich mehr Material gedreht, als letzten Endes Eingang in den Film findet. Das sogenannte Drehverhältnis, das das gedrehte Material ins Verhältnis zum fertigen Film setzt, liegt häufig bei 40:1 und mehr. Das heißt, aus 40 gedrehten Stunden Material werden im Schnitt viele kleine Szenen kombiniert, die am Ende aber nur 1 Stunde lang sind. Man sagt daher auch: Ein Dokumentarfilm entsteht in der Montage, weil sich erst nach Sichtung des Materials erweist, welche Geschichte sich wirklich gut aus dem Material heraus erzählen lässt (und welche nicht).

    Besonderheiten im Dokumentarfilm

    Im Dokumentarfilm kann daher die Dramaturgie des Films, also die Frage, wie die Erzählung aufgebaut wird, vor der Montage meist noch nicht final entschieden werden. Im Spielfilm dagegen ist es gängige Praxis, dass die Dramaturgie vor allem während der Arbeit am Drehbuch entwickelt wird.

    Die Dramaturgie im Dokumentarfilm ist zwangsläufig ein mehrstufiger Prozess, denn die Realität richtet sich nicht nach den Ideen Filmschaffender. In der Planungsphase wird ein Konzept erstellt, wie der Film und die Erzählung inhaltlich und visuell aufgebaut werden können. Nicht selten zeigt sich dann während der Dreharbeiten, dass das Konzept ergänzt oder sogar geändert werden muss, weil sich, was geplant war, in der Realität nicht oder nur modifiziert umsetzen lässt. Mitunter ergeben sich auch unvorhergesehen wichtige Situationen und verändern den Aufbau des Films.

    Die Dramaturgie eines Dokumentarfilms muss also sehr viel beweglicher und veränderbarer sein als bei einem Spielfilm und sie kann vor allen Dingen nicht als „erledigt“ gelten, solange nicht die letzte Aufnahme „im Kasten ist“. Erst wenn das Material komplett gesichtet, sortiert und analysiert ist, kann ein belastbarer Plan entstehen, wie sich in der Montage die Dramaturgie umsetzen lässt. Dennoch ist es natürlich wichtig und hilfreich, einen dramaturgischen Plan zu haben, an dem sich die Realität der Aufnahmen messen lässt und gegebenenfalls Veränderungen vorgenommen werden müssen.

    Warum passt die Bezeichnung Montage besser als Schnitt?

    Auch wenn der Prozess der Montage immer noch häufig als Filmschnitt bezeichnet wird, beschreibt der Begriff Montage sehr viel genauer, was in dieser Phase der Filmproduktion passiert.

    Aufgezeigt wurde dies bereits 1922 von dem Regisseur Lew Kuleschow[4], der zeigte, wie stark die Kombination von Sequenzen die Bedeutung der einzelnen Szenen verändern kann. Die britische Regielegende Alfred Hitchcock hat Kuleschows Experiment in den 1960er Jahren nachgestellt und kombinierte die gleiche Aufnahme von sich selbst mit zwei ganz unterschiedlichen anderen Bildern: zunächst mit der Aufnahme einer Mutter und ihrem Kind im Park und danach mit dem Bild einer jungen Frau im Bikini. Obwohl Hitchcocks eigene Aufnahme immer die gleiche blieb, wirkt er in der Kombination mit Mutter und Kind wie ein gütiger älterer Herr. In der Kombination mit der jungen Frau im Bikini dagegen mutet er wie ein alter Lüstling an, wie Hitchcock selbst augenzwinkernd bemerkt. Kuleschow (und Hitchcock) bewiesen durch ihre Experimente, dass der Kontext, in den ein Bild gesetzt wird, in der Lage ist, dem Bild eine neue Bedeutung zu geben. Das heißt, die Montage hat großen Einfluss darauf, was und wie die Zuschauer:innen wahrnehmen; sie fügt Elemente vielmehr zusammen (Kombination) und schafft dadurch Bedeutung, als dass sie Szenen auseinander schneidet (cutting von Szenen).

    Vertiefung

    Vertiefung Montage im Dokumentarfilm: https://www.filmbulletin.ch/full/artikel/2018-5-24_montage-im-dokumentarfilm, abgerufen am 15.11.2021

    Hitchcock Explains the Kuleshov Effect to Fletcher Markle. 1964: https://www.youtube.com/watch?v=96xx383lpiI, abgerufen am 15.11.2021

    Rohschnitt und Feinschnitt

    Die meisten Dokumentarfilme werden zuerst im Rohschnitt im Hinblick auf eine nachvollziehbare Narration und sinnvolle Dramaturgie geschnitten. Die Dramaturgie sorgt dabei auch für die Spannung bzw. für den Fortgang der Erzählung und die Entwicklung der Personen (einzeln und gemeinsam).  Häufig steht am Anfang eines Dokumentarfilms eine Frage, die im Laufe des Films geklärt werden soll. Für Spannung sorgen zwischenmenschliche oder gesellschaftliche Konflikte und unvorhergesehene Entwicklungen. Im zweiten Schritt der Montage, dem Feinschnitt, werden Ton, Musik und Kommentar bearbeitet, und es erfolgt die Farbkorrektur. Auf diese Weise können sich auch zu diesem Zeitpunkt noch dramaturgische Veränderungen ergeben.

    Altersempfehlung:
    ab Jahrgangsstufe 7

    (Zusatz)Material:
    Der Film steht zur nochmaligen Sichtung zur Verfügung.

    Filmdidaktische Hinweise:
    Anhand der Aufgaben erkennen die Schüler:innen, wie Dokumentarfilme durch eine bewusst gestaltete Dramaturgie und die Montage verschiedenster Materialien eine eigene filmische Wirklichkeit kreieren. Sie können nachvollziehen, wie die Dramaturgie ihre ganz eigene Erzähllogik entfaltet und damit auch Emotionen hervorruft, lenkt und bedient.

    A 1 – Gedankenexperiment: Film und Realität

    Bei vielen Dokumentarfilmen wird deutlich mehr Material gedreht, als letzten Endes Eingang in den Film findet. Das sogenannte Drehverhältnis, das das gedrehte Material ins Verhältnis zum fertigen Film setzt, liegt häufig bei 40:1 und mehr. Das heißt, aus 40 gedrehten Stunden Material werden im Schnitt viele kleine Szenen kombiniert, die am Ende aber nur 1 Stunde lang sind. Es findet also ein starker Selektionsprozess statt.

    Überlegt gemeinsam:

    • Was bedeutet diese starke Auswahl für das Verhältnis von Film und Realität?
    • Kann ein Dokumentarfilm die Realität so zeigen, wie sie ist, wenn er im Schnitt so stark reduziert?

    A 2 – Szenenanalyse: Schwerpunkt Montage

    Im Schnitt werden nicht nur einzelne Szenen und Bilder zu Filmsequenzen kombiniert, sondern auch weiteres Material eingearbeitet, z.B. Töne, Musik, Archivaufnahmen oder Kommentare. Welche Wirkung die Kombination dieser verschiedenen Materialien aufeinander hat, lässt sich anhand einzelner ausgewählter Szenen analysieren und verdeutlichen:

    • Beispielszenen zuerst nur bis zu einem bestimmten Schnitt ansehen und analysieren, danach ein zweites Mal die Szene länger (inkl. vorausgehender und folgender Szenen/Bilder) anschauen und Eindrücke vergleichen: Wie verändert sich die Szene durch die Montage?
    • Beispielszenen zuerst ohne Kommentar/Musik betrachten und analysieren, danach mit Kommentar/Musik anschauen und Eindrücke vergleichen
    • Beispielszenen mit einem alternativen Kommentar oder anderer Musik unterlegen
    • Eine Szene mit Archivaufnahmen aussuchen und zuerst ausschließlich die Archivaufnahmen sichten (ohne Anschlüsse und ohne zusätzliche Elemente des Films wie Ton, Musik, Kommentar); die Archivaufnahmen deuten und analysieren; im zweiten Schritt die gesamte Szene sichten und analysieren, wie der Film das Archivmaterial einsetzt.

    Mögliche Fragen

    • Welche verschiedenen Elemente werden in der ausgesuchten Szene miteinander kombiniert? (Verbindung verschiedener oder verschiedenartiger Bilder, von Bild mit Tönen, Bild mit Kommentar, Bild mit Musik, etc.)
    • Wie wirken die verschiedenen Elemente aufeinander?
    • Wie verändert ein Kommentar (so vorhanden) die Sicht auf das Bildmaterial?
    • Wie beeinflussen die Musik und der Sound sowie der Originalton von Drehschauplätzen die Wahrnehmung?

    A 3 – Erzählstruktur des Films nachvollziehen

    Nachdem der Film zunächst einmal komplett geschaut wurde, sehen ihn die Schüler:innen für diese Aufgabe ein zweites Mal und protokollieren den Verlauf der Erzählung.

    Dazu kann der Film nach Sichtungsschwerpunkten unterteilt werden (z.B. je nach Drehort, Protagonist:in, zeitlichem Verlauf der Handlung). Für jeden Schwerpunkt werden die wichtigsten Entwicklungen notiert. Es bietet sich an, die Klasse in Gruppen aufzuteilen, die je einen Schwerpunkt bearbeiten.

    Die entstandenen Protokolle können zur weiteren Analyse des Films genutzt werden. Folgende Schwerpunkte bieten sich an:

    • Entwicklung einzelner Protagonist:innen: Gibt es (innere und/oder äußere) Entwicklungen und wie werden diese sichtbar gemacht? Wie entwickeln sich die Beziehungen der Menschen untereinander?
    • narrative Methode des Films: Welches sind zentrale Themen und Konflikte? Wie geht der Film mit diesen Themen und Konflikten erzählerisch um? Welche Perspektive wird gewählt, wie wird die Handlung entwickelt, welche Lösungsansätze für die Konflikte werden sichtbar?
    • Erzählhaltung und Perspektive des Films: Welche Einstellung der Erzählerin/des Erzählers gegenüber dem Erzählten zeigt sich und woran? Wie verhält sich die Erzählung zu den Personen und Handlungen, die im Film gezeigt werden?  Lassen sich hier Entwicklungen ablesen?
    • Bildgestaltung und die Inszenierung von Räumen und Orten: Wie werden die Drehorte in Szene gesetzt und gefilmt? Welche:r Protagonist:in wird an welchem Ort gefilmt? Werden Räume genutzt, um die Erzählstruktur zu unterstützten? In welcher Weise wirken sich die verschiedenen Drehorte darauf aus, wie die Menschen vor der Kamera „rüberkommen“?

    Dokumentarfilmer:innen haben noch eine Vielzahl weiterer kreativer Möglichkeiten entwickelt, um von der Wirklichkeit zu erzählen, auch  oder: gerade wenn diese sich nicht so leicht abbilden, beobachten und befragen lässt.

    Archivmaterial

    Archivmaterial wird vielfach verarbeitet, wenn es um historische Themen geht, die sich heute nicht mehr filmen lassen, oder um Themen, bei denen das Filmen aus Sicherheitsgründen nicht möglich ist. Klassisch ist der Einsatz von Archivmaterialien wie Fotos, Video- und Filmsequenzen, aber auch Texten und Sounddokumenten. Diese Materialien können aus öffentlichen Archiven, aber auch aus privaten Beständen stammen.

    Animierte Szenen

    Oftmals werden dokumentarische Filme auch durch Animationssequenzen ergänzt. Mit Hilfe der Animationen lassen sich Teile der Geschichte erzählen, die nicht gefilmt werden können, etwa Rückblicke auf die Vergangenheit, Träume, Ausblicke auf die Zukunft oder auch sehr emotionale Szenen, in denen es sich verbietet, zu filmen. Oft werden Animationen auch eingesetzt, um Protagonist:innen zu schützen, indem diese anonymisiert auftreten. Animierte Szenen dienen überdies als künstlerisches Gestaltungselement, um dem Film visuelle Vielfalt und Emotionen zu verleihen.

    Reenactments

    Re-inszenierte Szenen einzuarbeiten ist ein weiterer Ansatz, dokumentarische Filme zu ergänzen. Mit diesen sogenannten Reenactments ist es möglich, Ereignisse sichtbar zu machen, die stattgefunden haben, aber nicht gefilmt wurden. Reenactments können mit den Protagonist:innen nachgestellt oder mit Schauspieler:innen inszeniert werden.

    Wenn von Reenactments die Rede ist, geht es meist um die Nach-Inszenierung von Bild und Ton. Sehr viel seltener wird über ein Reenactment der Ton-Ebene diskutiert, obwohl dies technisch sehr viel leichter durchzuführen ist und das Publikum viel weniger Möglichkeiten hat, die (Re-)Inszenierung zu „durchschauen“. Reenactments stehen auch deshalb immer wieder in der Kritik, weil dergleichen filmische Mittel die Grenzen zwischen inszenierten und dokumentarischen Aufnahmen bewusst verwischen – mit dem Ergebnis, dass im fertigen Film die unterschiedliche Provenienz der Aufnahmen nicht immer auszumachen ist.

    Altersempfehlung:
    ab Jahrgangsstufe 5

    (Zusatz)Material:
    Der Film steht zur nochmaligen Sichtung (von Ausschnitten) zur Verfügung

    Filmdidaktische Hinweise:
    Die Schüler:innen untersuchen und reflektieren, wie der Einsatz verschiedener filmsprachlicher Mittel Dokumentarfilme ergänzen und bereichern kann.

    A 1 – Szenenanalyse: Auswahl und Einsatz von Archivmaterial

    Die Schüler:innen schauen sich, nachdem sie den Film erstmals gesichtet haben, eine Szene mit Archivmaterial noch einmal eingehend an und analysieren sie gemeinsam. Als Leitfragen dienen ihnen:

    • Welche Art von Archivmaterial ist im Film zu sehen?
    • Wie wird dieses Material benannt und eingebunden?
    • Welche Informationen transportiert das Archivmaterial?
    • Was würde passieren, wenn der Film (ganz oder nur in dieser Szene) auf dieses Archivmaterial verzichten würde?
    • Wie verändert das Archivmaterial den Film? Welche Wirkung wird dadurch erzeugt, dass in den Film Archivmaterial integriert ist?

    A 2 – Szenenanalyse: Einsatz von Animation

    Die Schüler:innen schauen sich, nachdem sie den Film erstmals gesichtet haben, eine Szene, in der mit animierten Sequenzen oder Animationen im Bild gearbeitet wird, noch einmal an und analysieren sie gemeinsam. Als Leitfragen dienen ihnen:

    • Warum werden in diesem Dokumentarfilm Animationen verwendet?
    • Wie ist die Animation gestaltet und was könnten die Gründe für genau diese Gestaltung sein?
    • Wie fügen sich dokumentarische und animierte Szenen zusammen?
    • Welche erzählerische Funktion haben die animierten Szenen?
    • Wäre dieser Film auch ohne Animation denkbar gewesen?

    A 3 – Über das Verhältnis von Authentizität und Reenactments

    Reenactments sind ein recht umstrittenes Mittel im Dokumentarfilm. Das gilt besonders dann, wenn sie wie in manchen historischen TV-Formaten kaum von den „dokumentarischen“ Bildern zu unterscheiden sind.

    • Dieses vielschichtige Thema am Beispiel ausgewählter Filme oder Filmausschnitte zu untersuchen bietet sich für eine komplexe Hausaufgabe an.
    • Es ist ebenfalls denkbar, dazu eine Pro- & Contra-Diskussion zu führen.

    Im Mittelpunkt beider Herangehensweisen können Fragen stehen wie:

    • Wann kann es sinnvoll sein, in einem Dokumentarfilm Szenen zu re-inszenieren?
    • Wie wirken sich nachinszenierte Ereignisse auf den Grad der Authentizität eines Dokumentarfilms aus?
    • Müssen nachinszenierte Szenen so eingebettet und markiert werden, dass die (Re-)Inszenierung jederzeit erkennbar ist?
    • Welche Folgen hat es für den Blick auf Vergangenheit, wenn mit nachinszeniertem Material gearbeitet wird?
    • Anschlussfrage: Welche Folgen hat es für das Geschichtsverständnis, wenn der Film den Unterschied zwischen authentischem Material und Reenactment verwischt?
     

    0Damit unterscheiden sich künstlerische Dokumentarfilme von formatierten Medienangeboten wie Reportagen, TV- oder Web-Dokus oder Lehrfilme, bei denen es weniger um die Form und Herangehensweise, sondern vor allem um den Inhalt geht.

    1Eine Steadicam ist ein komplexes Halterungssystem für tragbare Film- und Fernsehkameras, das einer frei beweglichen Kameraperson verwacklungsarme Bilder ermöglicht.

    2Ein Gimbal ist eine motorisierte kardanische Aufhängung, die die Bewegungen eines optischen Gerätes, meist einer Kamera, flüssiger machen soll und so ruckelnde Aufnahmen vermeidet.

    3Das Schuss-Gegenschuss-Prinzip findet bei der Montage unter anderem in Dialogen Anwendung: Es wird zwischen den Bildern zweier verschiedener Kameras hin- und hergeschnitten, die jeweils eine:n der Akteur:innen zeigen. Dabei wird häufig die Schulter der Person, die nicht im Fokus ist, im Anschnitt gezeigt. Um den Eindruck der Kontinuität herzustellen, muss bei der Bildeinrichtung die Blickachse zwischen den Akteur:innen sehr genau beachtet werden, damit nicht das Gefühl aufkommt, sie blickten aneinander vorbei.

    4Lew Kuleschow (1899-1870) war ein sowjetischer Regisseur, der nach der russischen Revolution als Lehrer an der staatlichen Filmschule in Moskau tätig war. Kuleschow führte als erster filmische Experimente zur Montage durch, um zu zeigen, dass die Montage einzelner Szenen für den Film weit wichtiger war als die Frage, wie eine Szene gespielt oder aufgenommen wurde.

    Autorin

    Luc-Carolin Ziemann studierte Kultur-, Politik- und Medien- und Kommunikationswissenschaften in Leipzig und Hamburg. Sie arbeitet für verschiedene Filmfestivals, kuratiert Filmprogramme und andere Formate (u .a. für DOK Leipzig, Werkleitz Festival, Westend Festival, Filmfest Dresden, Bundeszentrale für politische Bildung/bpb, Filmfestival Heimat Europa, Galerie für Zeitgenössische Kunst, Kulturstiftung des Bundes). Seit 2009 arbeitet sie auch verstärkt im Vermittlungsbereich, leitet das Filmvermittlungsprogramm von DOK Leipzig, gibt Jugendworkshops, Lehrer:innenfortbildungen und ist Autorin diverser medienpädagogischer Publikationen (u. a. für VISION KINO, kinofenster.de, Deutsche Filmakademie). 2010 schloss sie das berufsbegleitende Masterstudium „Kulturen des Kuratorischen“ an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig ab. Als Mitglied der Auswahlkommission von DOK Leipzig ist sie seit 2018 für das Wettbewerbsprogramm mitverantwortlich.

    [Bild: privat]
    Lernmodule
    Dokumentarfilm im Unterricht 1