Playlist

Der Diversitätsdiskurs in Online-Formaten

Eva Lütticke, Dirk Uhlig

Medienradar, 10/2020

Was in den Mainstream-Medien eher die Ausnahme darstellt, wird in zahlreichen Online-Formaten bereits umgesetzt: Diverse Redaktionen, die kulturell vielfältige Themen behandeln und damit jenen Repräsentation verschaffen, die in der TV- und Kinolandschaft selten stattfinden. In der nachfolgenden Playlist finden sich einige dieser Online-Formate in ganz unterschiedlichen Medienarten – von Podcasts über Instagram-Stories hinzu YouTube-Videos. Ein vielfältiges und diverses Medienangebot, das sich mit Themen wie Rassismus, Sexismus, Identität, Gesellschaftskritik, Schönheitsideale und vielen mehr beschäftigt.

„Wir müssen Menschen in ihrer Vielschichtigkeit wahrnehmen, in ihrer Komplexität [...] Nur das wird der Würde des Menschen gerecht. Denn Rassismus und Diskriminierung funktionieren über die Dehumanisierung, die Entmenschlichung der Betroffenen.“[1]

Für Gümüşay ist „Unterhaltung ohne Haltung“ nicht vertretbar, denn wer wie dargestellt wird, welche Klischees das hundertste Mal wiederholt werden, all das beeinflusst und prägt die Gesellschaft, in der wir leben. Deshalb ist es so wichtig, dass Medien die Diversität unserer Gesellschaft widerspiegeln. Die hier aufgelisteten Online-Formate tragen dazu bei.  

Die Reihenfolge der Beiträge ist nicht zufällig gewählt, sondern anhand eines roten Fadens zusammengestellt. Alle Beiträge behandeln das Thema Rassismus, z.T. aus sehr unterschiedlichen Perspektiven. Insgesamt gibt diese Playlist einen guten Überblick über aktuelle Rassismus-Debatten und -Diskurse. 

Feuer & Brot ist der Podcast von Alice (Alice Hasters) und Maxi (Maximiliane Häcke). Die beiden Freundinnen kennen sich bereits seit ihrer Schulzeit. Was zunächst als Skype-Gespräch begann, ist seit einiger Zeit ein fester Bestandteil in der deutschen Podcastlandschaft. Mittlerweile in Berlin lebend, besprechen Alice und Maxi aktuelle und gesellschaftlich relevante Themen wie Feminismus, Kulturelle Aneignung, toxische Männlichkeit – aber auch Filmtrope-Analysen gehören zu ihrem Repertoire. Der monatlich erscheinende Podcast brilliert durch die sehr gut recherchierten Hintergründe, die, mit persönlichen Anekdoten und Erfahrungen gespickt, ein unterhaltsames und informatives Format ergeben.

Folge „Magical Negro“ im Film – Romantisierte Unterdrückung

In dieser Folge fühlen Alice und Maxi der Figur des „Magical Negros“ im Film auf den Zahn. Gleich zu Beginn der Episode erfolgt eine kurze Einordnung des Begriffes, der aus heutiger Sicht schlicht rassistisch ist. Damals war diese Benennung eines Stereotyps im Film verbreitet. Sie beschreibt den freundlichen, mysteriösen Schwarzen Menschen, der oft plötzlich auftaucht und der „weißen“ Hauptfigur zur Seite steht. Manchmal mit magischen Fähigkeiten ausgestattet, wie in The Green Mile oder Ghost – Nachricht von Sam ist diese Person selbstlos und hat etwas Besonderes, Weises an sich. Sobald die Mission, die „weißen“ Figur wieder auf den rechten Weg zu führen, erfüllt ist, verschwindet der „Magical Negro“ wieder von der Bildfläche. Die Weisheit entsteht fast nie aus einem akademischen Grad. Sie entsteht vielmehr aus dem Inneren der Schwarzen Figur, die wenig gebildet ist. So bleibt der „Magical Negro“ in der Hierarchie stets der weißen Hauptfigur unterlegen und nimmt auf Ewig die unterstützende Nebenrolle ein. Ein aktuelles Beispiel stellt der Film The Green Book dar. In den Hauptrollen spielen (der weiße) Viggo Mortensen und (der Schwarze) Mahershala Ali. Auch wenn in diesem Fall die Filmrolle von Ali, der Jazz-Pianist Don Shirley, gebildeter ist als sein „weißen“ Fahrer Tony Lip, erhält der Schauspieler Mahershala Ali lediglich den Oscar für die Beste Nebenrolle. 

Im weiteren Verlauf der Episode verhandeln Alice und Maxi, in welcher Weise Schwarze Charaktere in Filmen dargestellt werden sollten. Was wäre wichtig, um dieses immer wiederkehrende Stereotyp des „Magical Negros“ aufzulösen? 

Zur Folge „Magical Negro“ im Film – Romantisierte Unterdrückung

Tipp: Für weitere Auseinandersetzungen mit Stereotypen im Film empfiehlt es sich, ebenfalls in diese zwei Folgen reinzuhören: Nerds und Nice Guys im Film: Gar nicht mal so nett sowie Toxische Beziehungen in romantischen Filmen – Stalking ist nicht sexy

Mai Thi Nguyen-Kim ist promovierte Chemikerin, freie Wissenschaftsjournalistin und Dozentin am Nationalen Institut für Wissenschaftskommunikation. In ihrem Wissenschaftsformat maiLab von funk möchte sie auf Naturwissenschaften neugierig machen und komplexe Themen unterhaltsam vermitteln. Dafür erhielten sie und das Team bereits mehrere Preise. In der Jury-Begründung des Grimme Online Awards heißt es zu maiLab: „Es erreicht seine junge Zielgruppe und verführt sie spielerisch zu dem großen Abenteuer einer wissenschaftlichen Weltsicht, in der empirische Evidenz, intersubjektive Überprüfbarkeit und echte Einsicht an Stelle voreiliger, schneller Schlüsse treten. Für die Jury ein herausragendes Beispiel eines jungen, zeitgemäßen Wissenschaftsjournalismus.“[2]

Zum YouTube-Kanal maiLab

Folge Zwischen Rassismus und Neugier: Woher kommst du?

In diesem Ausschnitt der Episode Zwischen Rassismus und Neugier beleuchtet Mai Thi Nguyen-Kim die vielen bekannte Frage „Woher kommst Du?". Sollte man diese Frage als harmlosen Smalltalk oder als Geschmacklosigkeit werten? Als Neugier oder als Anzeichen von Rassismus und Ausgrenzung? Die Positionen sind zahlreich und werden auch in den Medien teils hitzig diskutiert. Mai Thi Nguyen-Kim schafft es in dieser Episode, das Problem ausgeglichen zu schildern und versucht gemeinsame Aspekte zu definieren, auf die sich die Beteiligten einigen könnten. Dabei zeigt sie Verständnis für die einzelnen Positionen, setzt aber auch deutliche Grenzen.

Zur Folge Zwischen Rassismus und Neugier: Woher kommst du?

Kanackische Welle ist ein Podcast von Marcel Nadeem Aburakia und Malcolm Ohanwe. Beide sind Journalisten aus München mit jeweils einem palästinensischen Elternteil. Man kann ihnen auf Instagram (KanackischeWelle), Twitter (KanackWelle) und Facebook folgen. Zwei Mal im Monat diskutieren sie seit 2018 in ihrem Podcast mit Gästen über Politik, Popkultur, Diskriminierung, gesellschaftliche Privilegien, Sexualität, Sport, Musik und Gender aus einer postmigrantischen Sicht. Gegenüber mediasres, dem Medienmagazin auf Deutschlandfunk, äußert sich Malcolm Ohanwe: „Viele Kollegen, Kolleginnen haben mich angeguckt: Ja, aber ihr reduziert euch ja dann wieder auf eure Herkunft. Braucht es denn so ein Dings, muss es denn sein, ist es denn wichtig? Und die Zeit hat bewiesen, dass es gar nicht wichtiger hätte sein können. Und jetzt ist natürlich die Arbeit, diese Inhalte nochmal auf eine größere Bühne zu bringen und ganz in die Mitte der Gesellschaft zu tragen.“[3] Dabei gelingt es ihnen, große Themen wie Rassismus beispielsweise mit einer Mischung aus wissenschaftlichen Ansätzen, alltäglichen Erfahrungen, persönlichen Erlebnissen und pointierten Kommentaren lebendig, anschaulich und greifbar zu verhandeln.

Episode Kritisches Weißsein – Perspektivwechsel & Handlungsaufforderung

Marcel Aburakia und Malcolm Ohanwe diskutieren in der Episode Kritisches Weißsein vom 10.06.2020 mit Maximiliane Häcke, Josephine Apraku und Friedemann Karig über das weiße Privileg, sich nicht mit Rassismus beschäftigen zu müssen. Schnell wird in der Diskussion klar, das es gut ist, wenn – wie im Zusammenhang mit Black Lives Matter – weiße Menschen das Anliegen Schwarzer Menschen und deren Wissen teilen, dies aber nicht ausreichend sein kann, verdeckte Rassismusstrukturen aufzubrechen. Es braucht von weißen Menschen einen Perspektivwechsel und eine aktive Beteiligung am Diskurs über den strukturellen Rassismus in unserer Gesellschaft. Dafür ist ein tiefer und vor allem ehrlicher Prozess der Reflexion über ihr Weißsein unabdingbar. „Denn genau das bestimmt immer noch die gesellschaftliche Norm und macht alles »nicht-Weiße« zur Abweichung, ist unsichtbar und zugleich machtvoll. Diese Unsichtbarkeit ermöglicht es, die weiße Machtposition zu relativieren und strukturellen Rassismus zu negieren.“[4]

Zur Episode Kritisches Weißsein – Perspektivwechsel & Handlungsaufforderung

Piratensender Powerplay – das Gespräch am Ende der Woche ist ein Podcast mit der Schauspielerin und Medienkritikerin Samira El Ouassil und dem Autor Friedemann Karig. Die beiden Medienmacher*innen sprechen wöchentlich über aktuelle Themen, beziehen sich kritisch auf andere Beiträge aus der Medienlandschaft, setzen ihre eigenen Perspektiven dazu und ordnen alles schlau, präzise und sehr unterhaltsam ein.

Episode Late Night bei Anne Will

Schnell wird in der Episode klar, dass die zu besprechende Woche eine ereignisreiche war. Im Gespräch wird Malcolm Ohanwes Aufforderung an weiße Menschen aufgegriffen, sich mit ihrem Weißsein kritisch auseinanderzusetzen (#KritischesWeißsein). Friedemann Karig berichtet davon, wie er sich persönlich den Fragen Ohanwes gestellt und seine Reflexionen in einem Thread geteilt hat. Samira El Ouassil betrachtet ihre Teilnahme in die Talkrunde des vergangenen Sonntags bei Anne Will nach. Beide stellen fest, das auch ihre Denkmuster nicht frei von Anzeichen eines tief in der Gesellschaft verwurzelten strukturellen Rassismus sind und nur ein offener, transparenter und selbsreflexiver Umgang mit dem Thema die Debatte um Rassismus voranbringen kann.

Zur Episode Late Night bei Anne Will

Josephine Apraku ist Afrikawissenschaftlerin und Aktivistin, Lehrbeauftragte am Zentrum für transdisziplinäre Geschlechterstudien der Humboldt-Universität und Leiterin des Bildungsprojektes Hier und jetzt! Kolonialismus und Kolonialrassismus im Schulunterricht beim Antirassistisch-Interkulturellen Informationszentrum ARiC Berlin e.V.. Gemeinsam mit Jule Bönkost leitet sie das Institut für diskriminierungsfreie Bildung in Berlin. Als freie Autorin verfasst sie Beiträge unter anderem für Edition F, Workin‘ Germany und Missy Magazine.

„Wann ist dir das erste Mal bewusst gewesen, dass du weiß bist?“ Dies ist eine von 31 Fragen, die Josephine Apraku in ihrer Instagram-Challenge #kritischeWeiß_heiten teilt. Ihr Ziel: Strukturellen Rassismus sichtbar machen und aufzeigen, warum wir alle dazu beitragen, denn „Rassismus ist auf allen Ebenen des alltäglichen Zusammenlebens relevant und operiert im zwischenmenschlichen Miteinander, in Gesetzgebungen, [...] und in Vorstellungen dessen, was vermeintlich normal ist, in Denk- und Handlungsmustern.“[5] Nachfolgend ist eine Auswahl an Fragen aus der Challenge zusammengestellt.

Josephine Apraku auf Instagram (josephine.apraku)

Auch ein sehr konventionelles Format des Fernsehens, die Talkshow, kann genutzt werden, um diverse und moderne Themen zu diskutieren. Dies beweist die Youtube-Talkshow BlackRockTalk von Esra Karakaya. Hier werden verschiedene Perspektiven zu diversen Themen von jungen Menschen eingenommen. Die Diskussion fallen dabei zugewandt und überzeugend aus. Nicht selten werden den Zuschauenden der konventionellen Fernseh-Talkshows die seit Jahren etablierten Moderator*innen mit den nicht weniger etablierten Gäst*innen präsentiert. Eine Öffnung der Themen und eine Repräsentation unserer multikulturellen Gesellschaft durch die Teilnehmenden findet nur bedingt statt. So ist BlackRockTalk eine überaus willkommene Ergänzung zu den beschriebenen etablierten Fernsehformaten, die deutlichen Nachholbedarf in Diversität aufzeigen.  

Zum YouTube-Kanal Karakaya Talks

Folge Anpassen Deluxe - Sehe ich richtig aus

In dieser Folge wird über „Racial Profiling” und Alltagsrassismus gesprochen, der auf Sprache und Aussehen basiert. Dabei werden ebenso Diskriminierungserfahrungen wie auch Strategien beschrieben, mit diesen umzugehen. Die Talk-Showfolge ist in Zusammenarbeit mit der Kooperative Berlin und im Auftrag der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) entstanden.

Zur Folge Anpassen Deluxe - Sehe ich richtig aus

Softie ist ein Instagram-Format von Funk und beschäftigt sich mit queerem Feminismus. Ihr Anliegen ist klar: Feminismus ist für alle da! Auf ihrem Instagram-Account (softie.offiziell) findet sich neben feministischen Themen und sehr gut aufgearbeiteten Story-Highlights zu Rassismus, Blackfishing und Pride sogar Film- und Serientipps zum Thema Bisexualität. 

Videoclip Warum Schwarzsein kein Trend ist

Im Videoclip Warum Schwarzsein kein Trend ist zeigen die drei Protagonist*innen, was an Blackfishing verletzend sein kann. Besonders „weiße“ Influencer*innen stehen in der Kritik, die Hairstyling und Hautfarbe von Schwarzen Menschen imitieren und damit einen Modetrend pushen, der politisch problematisch und unbewusst rassistisch ist.

Vietnames*innen sind Deutschlands größte Einwanderungsgruppe und kommen in den Medien kaum vor, und wenn doch, dann zumeist in stereotypen Zuschreibungen. Sie reichen von unauffälligen und strebsamen Schüler*innnen bis hin zur „Zigarettenmafia“. Die Journalistinnen und Freundinnnen Minh Thu Tran und Vanessa Vu – beide sind in Deutschland geborene Kinder vietnamesischer Einwaderungsfamilien – setzen diesem Bild in ihrem seit 2018 gesendeten Podcast Rice and Shine einen sehr persönlichen und differenzierten Blick entgegen. Einmal pro Monat erzählen Sie in ihren Podcastepisoden Geschichten vietnamesischer Menschen in Deutschland, decken Alltagsrassismus auf und machen vielschichtige gesellschaftliche und poltische Perspektiven ihrer Community sichtbar. Sie fragen sich und die Zuhörenden: „Was eint, trennt und bewegt uns? Was lassen wir uns nicht mehr gefallen – und was wünschen wir uns?“[6] Der Podcast war 2019 für den Grimme-Online-Award nominiert.

Episode Yellowfacing

In der Episode unterhalten sich Minh Thu Tran und Vanessa Vu mit dem Hamburger Theatermacher Dan Thy Nguyen über den Umgang mit kultureller Aneignung von asiatischer Geschichte und Kultur in Deutschland. In ihrer Ankündigung zur Podcast-Episode schreiben sie: „Weißen Menschen scheint es besonders viel Spaß zu machen, sich gelb anzumalen und als »Chinesen« zu verkleiden“.[7] Die so etablierten klischeebeladenen Bilder finden sich nicht nur auf Karnevalsumzügen und in Faschingshallen, sie greifen weit in unseren Alltag und tragen verletzende, in Teilen offen rassistische Züge. Der herablassende, zumindest aber unreflektiert exotisierende Umgang mit falsch verstandener kultureller Aneignung zeigt sich nicht zuletzt auch in der zumeist stereotypen Darstellung in Theater, Film und Fernsehen. Anstatt kritischer Berichterstattung zeigte der BR beispielsweise im Videoblock Dahoam in Bayern anlässlich des Dietfurter Chinesenfaschings ein z.T. mit „chinesischem Akzent“ moderiertes Tutorial zum Yellowfacing. Minh Thu Tran, Vanessa Vu und ihr Studiogast diskutieren im weiteren Verlauf der Episode Strategien im Umgang mit solchen Phänomenen.

Zur Episode Yellowfacing

Halbe Katoffl ist ein Podcast mit Deutschen, die nicht-deutsche Wurzeln haben. Gemacht wird Halbe Katoffl vom Berliner Journalisten Frank Joung, der selbst koreanische Wurzeln hat und in Deutschland geboren und aufgewachsen ist, bereits seit 2016 – damit gilt er als Vorbild und Orientierung für viele neuere Podcasts, die sich mit Fragen nach Identität, Zugehörigkeit, Ausgrenzung und Stereotype befassen und die Lebensrealität von BPoC und Menschen mit irgendeiner Form von Migrationshintergrund für eine breitere Community erfahrbar machen wollen.

In den ausführlichen, mit viel Humor und Sympathie geführten Gesprächen schildern seine Gäste ihre Erfahrungen, zwischen zwei Kulturen zu stehen. Nicht selten haben wir dann an Geschichten Anteil, die uns aufhorchen lassen und so manche festgefahrene Denkmuster in uns ins Wanken bringen.

In seiner Kolummne im Online-Magazin Übermedien mit dem Titel Wenn „Gute Deutsche“ eine „Halbe Katoffl“ nachmachen vom 28.06.2020 setzt sich Marcus Engert mit der Tatsache auseinander, dass sich das neue Podcast-Format Gute Deutsche mit Linda Zervakis von Spotify beim älteren Format von Frank Joung mehr als nur eine Podcast-Konzept-Anleihe geholt hat, aber dennoch nicht annähernd an die Intensität von Halbe Katoffl heranreicht. Denn Halbe Katoffl ist im Gegensatz zu Gute Deutsche „... kein Promi-trifft-Promi-Format. Das mag auf der Hand liegen, ist aber für den Gehalt der Gespräche Gold wert, den die Inhalte werden nicht von einer öffentlichen Figur und dem menschlichen Interesse an Promis überlagert. Es geht um Polenwitze und Großfamilien, Leistungsdruck und Armut, Mobbing in der Schule und Klischees, Fluchterfahrungen, Religion, Freiheitsgefühle – es geht um alles.“[8]

Episode Leila El-Amaire (SYR/ PSE): Realitäts-Check, Kopftuchdebatte & Toxische Diskussionskultur

In Episode 60 ist Leila El-Amaire zu Gast. Die 29-Jährige Berlinerin mit syrisch-palästinensischem Background spricht darüber, wie 9/11 und die Kriege im Nahen Osten ihr Leben als muslimische Frau in Deutschland verändert haben, mit welchen Reaktionen sie konfrontiert ist, seit sie sich entschlossen hat, ein Kopftuch zu tragen und wie Slam Poetry zum Safer Space wird und empowern kann. In einer längeren Passage (zu Teilen auch im Podcast-Ausschnitt zu hören) berichtet sie von Diskriminierungen, die sie im Schulalltag erfahren hat. „Ich war in der Klasse immer diejenige, die mit am besten deutsch gesprochen hat – in einer deutsch-deutschen Schule – und das hat die immer gewundert, so nach dem Motto: Warum kannst DU so gut deutsch?“[9]

Zur Episode Leila El-Amaire (SYR/ PSE): Realitäts-Check, Kopftuchdebatte & Toxische Diskussionskultur

Jede Woche laden die Hosts Eda Vendetta, Lisa Sophie Laurent und Maria Popov Personen ein, um mit ihnen über Themen zu sprechen, die in unserer Gesellschaft noch viel zu oft mit Tabus behaftet sind. Daher auch der Name des Talkformats Auf Klo. Das Klo als ein sicherer Ort, an dem man ungestört Geheimnisse austauschen und besprechen kann. Thematisch ist das Format breit aufgestellt: Sie sprechen über Sex und Verhütung, über Fehlgeburten, Schönheitsideale, Alltagsrassismus und vieles mehr – Themen, die mehr in den Vordergrund rücken müssen, die zum Nachdenken anregen und empowern sollen.

Zum Format Auf Klo auf der Webseite von funk
Zum Instagram-Account Auf Klo (aufklo)

Episode Rassismus in der Schule: Ich entwickelte Selbsthass

In dieser Episode berichtet Sam davon wie es ist, in der Schule rassistischen Drohungen ausgesetzt zu sein. Sie erzählt von den persönlichen Auswirkungen, von Selbsthass und dem Gefühl alleine zu sein. Sam ist jedoch kein Einzelfall. Für Schwarze Menschen und People of Color spielen rassistische Traumata oft ihr Leben lang eine große Rolle. Das hat viel mit Privilegien zu tun, die vor allem „weiße“ Menschen inne haben. Im Privilegien-Check, den Moderatorin Maria und Sam absolvieren, wird dies sichtbar. Mit viel Feingefühl leitet Maria durch diese Folge und fragt Sam, was sie sich damals gewünscht hätte – auch von den Lehrer*innen.

Zur Episode Rassismus in der Schule: Ich entwickelte Selbsthass

Datteltäter ist ein wöchentlich auf YouTube erscheinendes Format. Younes Al-Amayra, Fiete Aleksander, Marcel Sonneck, Mirza Odabasi, Gülcan Cetin und Esra Karakaya stehen hinter den viralen Videoclips, die mit Humor und Satire gegen kulturelle Klischees und gesellschaftlichen Stereotypen ankämpfen. 2017 erhielt das Quartett für ihre Arbeit den Online Grimme Award.

Zum YouTube-Kanal Datteltäter

Episode Wenn Rassismus ehrlich wäre – Schule

Ein Aufruf via Instagram an die Datteltäter-Community: Teilt mit uns eure Rassismus-Erfahrungen! Über 150 Menschen erzählten ihre Story und herausgekommen ist die Episode Wenn Rassismus ehrlich wäre, die in einem typischen Klassenzimmer spielt. Die rassistischen Erfahrungen der Community werden in einer Person vereint – dem Lehrer. In kurzen Szenen schwadroniert dieser in rassistischer Manier von Mohammeds und Aisches und vom al-Qaida-Kader und lässt dabei wirklich kein Vorurteil aus. Umso dramatischer, dass dies auf wahren Begebenheiten beruht. Zum Ende klingelt die Pausenklingel – eine Erlösung für die Schüler*innen und auch uns Zuschauer*innen.

Episode 16 Dinge, die Kopftuchtragende Frauen in Deutschland kennen!

Knapp zweieinhalb Minuten – mehr braucht es nicht, um 16 Dinge aufzuzeigen, mit denen kopftuchtragende Frauen täglich in Deutschland konfrontiert werden. Der Beitrag ist gewohnt humorvoll und satirisch aufbereitet und räumt dabei mit den gängigen Stereotypen rund um das Kopftuch auf. Was passiert, wenn spontan Besuch vor der Tür steht? Wie schwer ist es mit Kopftuch zu essen, Musik zu hören, den Alltag zu bestreiten? Die Antworten fordern die Zuschauer*innen dazu auf, über ihre eigenen Vorurteile zu reflektieren.

1. Kübra Gümüşay: Die Emanzipation der Gutmenschen, Vortrag, gehalten auf der re:publica 2017, re:publica, YouTube, https://www.youtube.com/watch?v=tP7MA9qlQ-c (abgerufen am 22.09.2020).

2. Jurybegründung zum Grimme Online Award 2018 – Wisssen und Bildung, Grimme Online Award 2018, https://www.grimme-online-award.de/archiv/2018/preistraeger/alle/ (abgerufen am 22.09.2020).

3. Malcolm Ohanwe, in: „Die Kanackische Welle“ – Perspektiven besprechen, Sendung in der Reihe @mediasres – das Medienmagazin, Deutschlandfunk vom 11.06.2020, www.deutschlandfunk.de/die-kanackische-welle-perspektiven-besprechen.2907.de.html?dram:article_id=478434 (abgerufen am 22.09.2020).

4. Teasertext zur Episode Kritisches Weißsein – Perspektivwechsel & Handlungsaufforderung, Podcast Kanackische Welle, 10.06.2020, https://kanackischewelle.podigee.io/29-29-kritischesweisssein (abgerufen am 22.09.2020).

5. Josephine Apraku: Nur wer Deutschlands Kolonialgeschichte kennt, kann heutigen Rassismus verstehen und bekämpfen, Online-Magazin Edition F, 19.02.2020, https://editionf.com/sigmar-gabriel-kolonialgeschichte-rassismus/ (abgerufen am 22.09.2020).

6. Podcast Rice and Shinehttps://riceandshine.podigee.io/about (abgerufen am 22.09.2020).

7. Teasertext zur Episode Yellowfacing, Podcast Rice and Shine, 16.03.2019, https://riceandshine.podigee.io/14-yellowfacing (abgerufen am 22.09.2020).

8. Marcus Engert: Wenn „Gute Deutsche“ eine „Halbe Katoffl“ nachmachen, Kolummne, Online-Magazin Übermedien, 28.06.2020, https://uebermedien.de/50537/wenn-gute-deutsche-eine-halbe-katoffl-nachmachen/ (abgerufen am 22.09.2020).

9. Teasertext zur Episode Leila El-Amaire (SYR/ PSE): Realitäts-Check, Kopftuchdebatte & Toxische Diskussionskultur, Podcast Halbe Kartoffl, 01.09.2020, https://halbekatoffl.de/leila-el-amaire-syrien-palaestina/ (abgerufen am 22.09.2020).

Zusammengestellt von

Eva Lütticke studiert Medienwissenschaften an der Filmuniversität Babelsberg KONRAD WOLF. Neben dem Studium arbeitet sie als freie Redakteurin für verschiedene Blogs und ist seit 2019 als studentische Mitarbeiterin bei der Freiwilligen Selbstkontrolle Fernsehen tätig.

[Bild: privat]
Zusammengestellt von

Dirk Uhlig arbeitete bereits seit 2007 als freier Gestalter eng mit dem Medienpädagogik-Team der Freiwilligen Selbstkontrolle Fernsehen (FSF) für die Entwicklung und Umsetzung der Projekte „Krieg in den Medien“ und „Faszination Medien“ zusammen. Seit 2017 gehört er zum festen Team der Medienpädagogik der FSF. Nebenbei ist er als freier Dokumentarfilmschaffender tätig.

[Bild: privat]
Playlist
Woran erkennt man antisemitisches Verhalten bei Gangsta-Rapper*innen?
Playlist
Haftbefehls Street Credibility und Kollegahs Inszenierungen
Playlist
Playlist
Erklär-Videos zu Diversität, Diskriminierung und Empowerment