Der Nahostkrieg in den Medien
Wie Diskurs trotz unterschiedlicher Informationsquellen möglich wird
Medienradar
Lehrende informieren sich vorrangig in den Leitmedien über den Nahostkonflikt und den Krieg in Gaza – Schüler*innen dagegen überwiegend in den sozialen Medien. Die Informationen über das, was in Nahost geschieht, sind vor allem seit Beginn des aktuellen Krieges so unterschiedlich, dass der gemeinsame Diskursraum schrumpft und zunehmend von Vertrauensverlust, Ressentiments und Spaltung geprägt ist.
Der Beitrag geht der Frage nach, warum das so ist. Dabei werden die Merkmale der Berichterstattung beider Mediensysteme zum Nahostkonflikt analysiert, die daraus resultierenden Auswirkungen auf den schulischen Diskurs beleuchtet und abschließend Wege aufgezeigt, wie der Dialog zwischen Lehrenden und Lernenden diesbezüglich verbessert werden kann.
Während Lehrkräfte befürchten, dass Schüler*innen im Netz vor allem Desinformation und Propaganda ausgesetzt sind, kritisieren viele Jugendliche eine einseitige und unausgewogene Berichterstattung in den traditionellen Medien. Beide Perspektiven haben Berechtigung, denn entscheidend ist nicht das Medium an sich, sondern die Informationskompetenz – die Fähigkeit, unterschiedliche Informationen beschaffen, einordnen und bewerten zu können.
Um herauszuarbeiten, was in den jeweiligen Informationsquellen der Schüler*innen und Lehrkräfte ausgeblendet bzw. nicht vermittelt wird und warum sowie zu welchen Problemen das in der Auseinandersetzung führt, ist methodisch eine gegenüberstellende medienanalytische Arbeit mit Beispielen aus den Leitmedien und den sozialen Medien aufschlussreich.
1. Der Krieg als Informationskrieg
Der aktuelle Krieg im Nahen Osten ist nicht zuletzt ein Informationskrieg. Journalist*innen und Nachrichtenrezipient*innen sehen sich deshalb häufig mit interessengeleiteten Informationen, Propaganda oder unvollständigen Berichten konfrontiert.
Interessengeleitete Informationen und Propaganda
Die Hamas nutzt zur Verbreitung ihrer antisemitischen und den Holocaust verleugnenden Propaganda traditionelle und nicht traditionelle Medien. Sie wird beispielsweise von Sendern im Libanon unterstützt.[1]
Das israelische Militär hat seit Beginn der Bombardierungen des Gazastreifens eine Blockade für internationale Journalist*innen in Gaza verhängt. Nur in Begleitung des Militärs und nach anschließender Freigabe des Berichts durch den Militärzensor können wenige internationale Journalist*innen aus dem Gazastreifen berichten. Offizielle Meldungen Israels werden durch Sprecher*innen der Israel Defense Forces (IDF) in Umlauf gebracht. Auch diese Inhalte sind interessengeleitete Informationen einer Kriegspartei, erweisen sich teils als unzutreffende Desinformation und sind integraler Bestandteil des Informationskrieges zwischen beiden Konfliktparteien.
[Audio: SWR Kultur]
Auszug aus dem ARD-Radiofeature Medienkrieg im Nahen Osten – Doku über Propaganda und konträre Narrative im Gaza-Konflikt, SWR (01/2025). Kai Havez, Professor für Kommunikationswissenschaften an der Uni in Erfurt mit Schwerpunkt Nahost, über interessengeleitete und propagandistische Informationen im Nahostkonflikt.
Um so unerlässlicher wird die kritische Verifizierung von Nachrichten, sowohl für Journalist*innen als auch für Rezipient*innen. Das setzt bei Reporter*innen eine sorgfältige Recherche unter erschwerten Bedingungen voraus. Rezipient*innen sollten nach Möglichkeit darauf achten, ob Quellen kenntlich gemacht und vertrauenswürdig sind und die Meldung in mehreren seriösen Medien publiziert wurde.
Das israelische Außenministerium hat 2024 15 Millionen US‑Dollar für Werbung in den sozialen Medien ausgegeben[2]. Das neue Budget sieht zusätzliche 145 Millionen vor, um das öffentliche Bild des Krieges und somit Israels Image mitzubestimmen. Auf palästinensischer Seite werden ohne nennenswertes Budget vor allem Instagram, TikTok und die Reels auf Facebook durch „Guerilla-Influencer*innen“ mit hoher Reichweite zur strategischen Kommunikation und Dokumentation genutzt. Ihre Posts wiederum werden von anderen Influencer*innen mit größerer internationaler Anerkennung wie bspw. der Autorin Naomi Klein repostet, sodass sich ein Verstärkereffekt bildet.
[Video: NDR]
Ausschnitt aus dem Beitrag Vertrauen verloren? Deutsche Medien und der Gaza-Israel-Krieg des NDR-Medienmagazins ZAPP, NDR (2024)
Meron Mendel, israelisch-deutscher Pädagoge, Publizist, Professor und Direktor der Bildungsstätte Anne Frank, spricht über die interessengestützte Information und Propaganda der IDF und der Hamas.
Unabhängige Informationsquellen
Neben den interessengestützten Informationen der Konfliktparteien finden sich auf zahlreichen Social-Media-Kanälen auch unabhängige und überprüfbare Videoaufnahmen und Zeitzeugenaussagen. Sie stammen vornehmlich von israelischen und palästinensischen Journalist*innen, von Ärzt*innen und Mitarbeiter*innen verschiedener NGOs, aber auch von Betroffenen und Angehörigen. Sie beschreiben die Kriegsfolgen für die palästinensische Zivilbevölkerung und dokumentieren den Alltag im Gaza-Streifen. Nach sorgfältiger Überprüfung der Quellen stützt sich zunehmend auch manche investigativ recherchierte Publikation der traditionellen Medien auf jene Quellen, die ihre Informationen zunächst in den sozialen Medien publizierten.
Hinzu kommt, dass die Berichte in Social Media-Posts in der Kommentarspalte aktiv kritisch besprochen, divers kommentiert, dementiert oder ergänzt werden. Oft finden sich komplexe Auseinandersetzungen in den Kommentaren, die den Nachrichtenwert erhöhen und die Information als plausibel oder unwahrscheinlich einordnen. Daneben lädt eben jene Spalte aber auch zu Hassrede, Falschinformation oder Trolling sowohl durch Menschen als auch KI-gesteuerte Bots ein.
2. Verzerrte Wahrnehmung: Wie deutsche Leitmedien über den Nahostkonflikt berichten
Die Art und Weise, wie Medien über den Nahostkonflikt berichten, beeinflusst maßgeblich, welches Bild sich Menschen von den Ereignissen machen. Die Mechanismen wirken subtil, haben aber großen Einfluss auf die Wahrnehmung des Krieges. In deutschen Leitmedien lässt sich dabei häufig eine Verzerrung erkennen – ausgelöst beispielsweise durch unausgewogene Themengewichtung und Stellungnahmen, die ungeprüfte Übernahme einseitiger Darstellungen des Kriegsgeschehens und eine tendenziöse Sprache.
Um ein Verständnis des Bias in der Berichterstattung der Leitmedien zu bekommen, ist ein Blick auf die unterschiedlichen medialen Darstellungen des sogenannten Mehl-Massakers in deutschen und internationalen Publikationen lehrreich, die der Journalist Fabian Goldmann analysierte.[3]
| Das sogenannte Mehl-Massaker Vier Monate nach Beginn des Krieges, am 29. Februar 2024, wurden bei der Verteilung von Mehl als Hilfsgut mindestens 112 hungernde Menschen von israelischen Soldaten*innen erschossen. In Echtzeit wurde von Rettungskräften und Augenzeug*innen über deren Smartphones in den sozialen Medien darüber berichtet. Palästinensische Aktivist*innen wie Bisan Owda verbreiteten die Nachricht noch am selben Tag auf ihren Kanälen. Die deutsche Presse brachte die Meldung erst, nachdem die IDF Stellung dazu bezogen hatten, und übernahm mehrheitlich verschiedene sich widersprechende Darstellungen der Armee und Pressemitteilungen der Regierung, in denen es hieß, dass Menschen bei einer Massenpanik totgetrampelt und von LKWs überfahren wurden oder Soldaten in Notwehr lediglich Warnschüsse abgegeben hätten. Zeit Online titelte: „Zahlreiche Tote bei Ausgabe von Hilfslieferungen in Gaza-Stadt“, die Süddeutsche Zeitung sprach von „Tote nach Sturm auf Gaza-Hilfsgüter“. Anstatt von getöteten Zivilisten zu berichten oder aktive Sätze zu formulieren, wer wen tötete, waren es passive „Tote“, die scheinbar niemand unmittelbar zu verantworten hatte. „Schüsse und Massenpanik bei Hilfslieferung“ war im Tagesspiegel zu lesen, während ZDF heute berichtete: „Verteilung von Hilfsgütern in Gaza eskaliert“. DLF meldete: „Berichte über viele tote Palästinenser“. Die taz: „Viele Tote bei Hilfslieferung“. Lediglich der Spiegel inkludierte die Meldung einer palästinensischen Behörde im Artikel „Getötet, als sie um Mehl kämpften“, der zunächst unter dem Titel „Getötet auf der Jagd nach Mehl“ erschienen war, als seien die hilfsbedürftigen Menschen Tiere. Die New York Times dagegen hatte, ohne auf die Pressemitteilung der IDF auf X (Twitter) zu warten, längst über „100 getötete Palästinenser“ berichtet und zitierte in ihrem Artikel den Direktor des Kamal-Adwan-Krankenhauses Dr. Hossam Abu Safia als Zeugen. Die BBC zitierte einen Vertreter des Krankenhauses, der von „über 100 Schusswaffenopfern“ sprach. The Guardian meldete die „Tötung von über 100 Palästinensern“ und bezog sich auf Meldungen der internationalen Nachrichtenagenturen Associated Press und AFP, die wiederum Zeug*innen zitierten. Al Jazeera konnte in ihrer Berichterstattung über „Dutzende durch israelische Schüsse Getötete“ noch ihren eigenen inzwischen von den IDF getöteten Journalisten Ismail al‑Ghoul zitieren. Die französische Zeitung Le Monde, der US-amerikanische Nachrichtensender CNN und die israelische Publikation +972 überprüften zudem journalistisch gewissenhaft anhand von Geo- und Chronolokalisierung sowie Plausibilitätsprüfungen etlicher Videos von Zeug*innen die Angaben beider Konfliktparteien und rekonstruierten den Fall. Die Darstellungen der IDF, die so mehrheitlich in deutschen Medien wiederholt worden waren, stellten sich als eindeutig falsch heraus. Durch einen Vergleich der Berichte wird deutlich, dass deutsche Medien die Meldungen der IDF zum „Mehl-Massaker“ ungeprüft als Leitnarrativ publizierten, oft mit dem Hinweis, die Angaben ließen sich nicht überprüfen, während internationale Medien sehr wohl imstande waren, die Angaben zu überprüfen und palästinensische Zeug*innen zitieren konnten, die nicht der Hamas angehörten, wie unabhängige Ärzt*innen, Krankenhausdirektor*innen und Reporter*innen. Der Stern publizierte später das Video von CNN (ohne einbettenden Artikel), in dem die Behauptungen der IDF widerlegt werden. Die anderen deutschen Medien stellten die Falschaussagen nicht richtig, so dass ein Großteil der deutschen Öffentlichkeit bis heute nicht über das damalige Kriegsverbrechen, hungernde Menschen bei der Ausgabe von Hilfsgütern zu erschießen, informiert wurde. |
Die Einseitigkeit der Darstellung widerspricht journalistischer Sorgfaltspflicht
Journalistische Arbeit sollte stets auf überprüfbaren Fakten basieren. Der erschwerte Zugang zu Informationen über die Situation vor Ort infolge der Blockade des Gazastreifens sollte nicht dazu führen, dass Leitartikel überwiegend auf interessengeleiteten Informationen des israelischen Militärs basieren. Informationsquellen sollten nicht ungeprüft und gutgläubig übernommen werden, da dies unter Umständen zu Falschmeldungen führt, zumindest aber eine Unausgewogenheit der Darstellung zur Folge hat.
[Video: NDR]
Ausschnitt aus dem Beitrag Vertrauen verloren? Deutsche Medien und der Gaza-Israel-Krieg des NDR-Medienmagazins ZAPP, NDR (2024)
Beispiel für eine Falschmeldung in der Tagesschau der ARD vom 10.07.2024
Selbst wenn Falschmeldungen, die ausschließlich auf Informationen der IDF beruhten, infolge von Rezipient*innen-Interventionen nachträglich korrigiert wurden, bleibt der Umgang mit Fehlerkorrektur als angefügte Fußnote der in den Kanälen verbleibenden Meldungen fragwürdig. Die Korrektur hat nie die gleiche Sichtbarkeit wie die ursprüngliche Meldung.
Von Anfang an waren auch unabhängige Informationen palästinensischer und israelischer Journalist*innen über das Kriegsgeschehen und die Lage vor Ort zu bekommen. Vor allem über die israelische Tageszeitung Haaretz, die israelische NGO B’Tselem oder die israelisch-palästinensische Publikation +972 publizieren seit Dekaden israelische Publizist*innen wie bspw. dem Historiker Adam Raz palästinensische Perspektiven und regierungskritische Artikel.
[Video: NDR]
Ausschnitt aus dem Beitrag Vertrauen verloren? Deutsche Medien und der Gaza-Israel-Krieg des NDR-Medienmagazins ZAPP, NDR (2024)
Beispiel für Bad Practice in ZDF heute, mit Fehlerkorrektur.
In diesen Medien herrscht ein differenzierter Umgang mit der israelischen Regierung, der in Deutschland überwiegend ignoriert wird, während rechte bis völkerrechtswidrige Positionen (wie Trumps Absicht, den Gazastreifen ethnisch zu säubern und zu annektieren, der Felix Klein, der Beauftragte der Bundesregierung gegen Antisemitismus, zustimmte) reproduziert werden. Das hat in Deutschland auch mit politischer Repräsentanz zu tun. Während von den ca. 200.000 in Deutschland lebenden Jüd*innen etwa 95.000 Teil von religiösen Gemeinden sind, deren mediales Sprachrohr der Dachverband Zentralrat der deutschen Juden (ZDJ) ist, werden über 100.000 säkulare Jüd*innen politisch nicht repräsentiert und folglich kaum gehört. Angriffe auf säkulare Jüd*innen durch die Polizei bei Demonstrationen gegen den Krieg wurden vom ZDJ nicht als antisemitische Straftaten skandalisiert und verurteilt. Jüdische Kritiker*innen des ZDJ wie Evelyn Hecht-Galinski oder Moshe Zuckermann attestieren dem ZDJ seit Jahren, interessengeleitete Information der israelischen Regierung zu reproduzieren. [4][5] Säkulare Jüd*innen können medial nur als Individuen in Erscheinung treten, ihre Interessen werden anders als jene, die sich durch den ZDJ oder die Deutsch-Israelische Gesellschaft (DIG) vertreten fühlen und Israels Vorgehen in Gaza befürworten, nicht über eine öffentliche Körperschaft repräsentiert.
Die Einbeziehung palästinensischer sowie unterschiedlicher israelischer und jüdisch-diasporischer Perspektiven ist für eine sachliche Betrachtung des Krieges unerlässlich. Was derzeit in Gaza passiert, hat eine Genese mit langen historischen und politischen Entwicklungslinien. Wer das versteht, kann trotz erschwerter Quellenlage zu einer rechtskonformen Einschätzung gelangen, denn zu komplex oder nicht vermittelbar sind die Territorialansprüche der Konfliktparteien und deren Legitimität im Kontext internationalen Rechtes nicht.
Die mediale Enthistorisierung des Konflikts
Der Versuch historischer Kontextualisierungen wurde in den traditionellen Medien oft als Rechtfertigung des Terrors der Hamas gebrandmarkt und delegitimiert. Für die Mehrheit der Leitartikel im Jahr 2024 wurde Israels Reaktion auf das entsetzliche und traumatische Massaker am 7. Oktober 2023 als notwendige Selbstverteidigung dargestellt. Der historische Kontext des Terroranschlags, wie die völkerrechtswidrige Besetzung der palästinensischen Gebiete seit 1967, oder historisch vorangegangene Militäroperationen und Rechtsbrüche Israels, die bis heute ohne Reparationen geblieben sind, wurden aus der Darstellung ausgespart (bspw. die Vertreibungen und Tötungen während der Nakba, Kriegsverbrechen während des 6‑Tage-Krieges, das Massaker von Sabra und Shatila, der Gegenangriff nach der ersten Intifada, die Niederschlagung des „Great March of Return“ 2018–2019, oder andauernde Angriffe und Enteignungen durch radikalisierte Siedler*innen im Westjordanland, bei denen jeweils Hunderte bis Tausende Palästinenser*innen getötet wurden und die das kollektive Gedächtnis der Palästinenser*innen maßgeblich prägen). Rechtsbrüche und Kriegsverbrechen auf palästinensischer Seite hingegen werden in deutschen Medien meist der „Barbarei“, der „Bestialität“ oder dem „Terrorismus“ zugeordnet. Vor allem aber werden sie in einer falschen Symmetrie wiedergegeben, als seien zwei souveräne Länder mit ähnlich ausgestattetem Militär im Krieg miteinander und nicht eine Besatzungs- und Atommacht (die einzige der Region), die über eine der modernsten Armeen der Welt verfügt, mit einer Gruppe in einem von ihr kontrollierten Gebiet.
Die Berichterstattung als selbstreflexiver Prozess
Deutschland trägt aufgrund des Holocaust, seines beispiellosen Genozids am jüdischen Volk, eine besondere historische Verantwortung für nach dem Zweiten Weltkrieg entstandene ethische Rechtsordnungen wie das Völkerrecht und internationale Gerichtsbarkeit, um Verbrechen an der Menschlichkeit zu verhindern. Um dieser Verantwortung gerecht zu werden, muss vor allem Deutschland sich an jene geschaffenen Rechtsnormen halten. Allerdings ist Deutschland derzeit nach den USA der zweitgrößte Kriegswaffenlieferant Israels und trägt somit direkte Verantwortung für damit begangene Kriegsverbrechen und Völkerrechtsbrüche. Europäische Staaten sind Vertragsparteien des Waffenhandelsabkommens, laut dem es verboten ist, Lieferungen von Waffen zu genehmigen, die für „Angriffe auf zivile Objekte“ verwendet werden könnten.
In der Berichterstattung sollte also besonderes Augenmerk auf Deutschlands historische Verantwortung und Selbstverpflichtung gegenüber dem humanitären Völkerrecht und internationalen Recht gesetzt werden, damit es nicht zu erneuten Verbrechen mit deutschen Waffen kommt. Das bedeutet, dass besonders über Rechtsbrüche, die mit deutschen Waffen und deutscher politischer Legitimierung geschehen, berichtet werden sollte.
Das jahrelange Aussparen palästinensischer Realitäten in den Medien hat auch in Deutschland zur Verbreitung israelischer Propaganda beigetragen und einen selbstbezogen-moralisierenden Diskurs gefördert. Studien der vergangenen Jahrzehnte zeigen, dass sich in der deutschen Nahostberichterstattung viel Innenpolitik spiegelt – ein Muster, das sich auch in der aktuellen Kriegsberichterstattung fortsetzt. Sie neigt dazu, Israels Rechtsbrüche aus der Perspektive des Holocaust zu sehen und reflexhaft palästinensische oder kritische israelische Perspektiven pauschal des Antisemitismus zu bezichtigen.[6] Diese Tendenz fördert sowohl antisemitische Verschwörungserzählungen (bspw. dass Israel „die Medien“ kontrolliere) als auch realen Antisemitismus, wenn dessen Bedeutung ausgehöhlt wird.
Der Kampagnenjournalismus
Der Nahostwissenschaftler Tom Würdemann sieht vor allem den Axel-Springer-Verlag in seiner medialen Auseinandersetzung mit dem Konflikt als Negativbeispiel: „Nach dessen Logik ist Israel die erste Verteidigungslinie des Westens gegen Islamisierung und Migration. Und Bild und Welt vermutlich die zweite“. Er verweist auf ein Ende Oktober 2023 durch bekannte deutsche Journalisten wie den Focus-Autoren Jan Fleischhauer geteiltes Video, in dem behauptet wird, die Hamas sei schlimmer als die SS, weil die SS wenigstens ein schlechtes Gewissen beim Holocaust empfunden habe. Für viele Deutsche sei der Israel-Palästina-Konflikt eine Art Verlängerung der Frage um deutsche Verantwortung für das jüdische Volk. Darauf gründe die historische deutsche Israelsolidarität, was grundsätzlich richtig sei. Problematisch werde es, wenn statt einer friedlichen Lösung für Israelis und Palästinenser*innen die Erlösung von der deutschen Vergangenheit und Schuld im Zentrum stehe.[7]
Der Konflikt zweiter Ordnung
Um eine Auseinandersetzung mit möglichen Kriegsverbrechen der IDF zu vermeiden, verhandelt die deutsche Presse den Nahostkonflikt oft als Konflikt zweiter Ordnung. Das heißt, anstatt dass über das berichtet wird, was in Gaza vorfällt, wird darüber spekuliert, ob die Kritik übende Person antisemitisch sein könnte, wie in einem Artikel aus der Zeit über Greta Thunberg[8]. Dabei wird der Inhalt ihrer Kritik nicht nach seiner Angemessenheit und Richtigkeit diskutiert, sondern in Gänze ignoriert und stattdessen eine Kritik an der Person Thunberg formuliert. Die Judaistin und Islamwissenschaftlerin Hannah Tzuberi und die Politikwissenschaftlerin Patricia Piberger betonen, dass menschenrechtliche Kritik an Israel in der deutschen medialen und politischen Öffentlichkeit seit Jahren nicht nach der faktischen Richtigkeit oder politischen Angemessenheit beurteilt werde, sondern erst einen „Antisemitismustest“ bestehen müsse, um überhaupt in Anschlag gebracht werden zu dürfen.[9]
Durch die beschriebene Verengung der medialen Debatte auf den Konflikt zweiter Ordnung sind nicht selten auch Journalist*innen, die über israelische Völkerrechtsbrüche berichten, von der Sorge getragen, für ihre Arbeit mit Antisemitismusvorwürfen in Misskredit gebracht zu werden. Die Journalistin Kristin Helberg bringt Trennschärfe in die Termini Antisemitismus und Genozid und plädiert für eine Benennung der Fakten.
[Video: NDR]
Ausschnitt aus dem Beitrag Vertrauen verloren? Deutsche Medien und der Gaza-Israel-Krieg des NDR-Medienmagazins ZAPP, NDR (2024)
Kristin Helberg, Syrien-Expertin und freie Journalistin für die ARD, den ORF, das Schweizer Radio DRS und das Schweizer Fernsehen, spricht über die Angst vor Antisemitismusvorwürfen im Zusammenhang mit der Verwendung des Begriffes Genozid in internationalen und in deutschen Medien.
Der Vorwurf des israelbezogenen Antisemitismus
Die Sichtweisen der jüngeren und älteren Generation auf den Gazakrieg gingen auch deshalb so deutlich auseinander, weil der Gegenangriff Israels nach dem Terroranschlag der Hamas in den Leitmedien über das Jahr 2024 hinweg mehrheitlich als im Rahmen zulässigen und erforderlichen Selbstschutzes dargestellt wurde. In internationalen, vor allem aber in kritischen israelischen Medien hingegen wurden bereits am 13.10.2023 explizite Warnungen von jüdischen Holocaust-Expert*innen über einen Paradefall von Völkermord veröffentlicht, die in den sozialen Medien breit kursierten, sodass es schnell zu konträren Einschätzungen von Israels Vorgehen in Gaza kam.
Bis 2025 waren multiperspektivische und historisch kontextualisierende Berichterstattungen die Minderheit in deutschen Leitmedien.[10] Die Autor*innen jener wenigen differenzierteren Artikel wurden oft mit Vorwürfen des israelbezogenen Antisemitismus diskreditiert, wie die Nahostexpertin Muriel Asseburg, die ARD-Korrespondentin Sophie von der Tann und, noch abwegiger, auch etliche jüdisch-diasporische und israelische Expert*innen, wie der Historiker Moshe Zuckermann[11], der Historiker und Genozidexperte Omer Bartov[12], die Philosophinnen Nancy Fraser und Susan Neiman oder die Schriftstellerin Masha Gessen.
Jüdischer Dissens und Pluralität wurden neben palästinensischen Perspektiven auf den Grundkonflikt kaum abgebildet und oft grob pauschalisierend bis antisemitisch und rassistisch diffamiert. Beispielsweise ist die Annahme, Kritik an der IDF oder daran, dass die israelische Regierung mit Bezalel Smotrich und Itamar Ben Gvir offen rechtsextreme Mitglieder hat, sei antisemitisch, selbst antisemitisch, weil sie eine falsche Äquivalenz zwischen jüdischen Menschen an sich und einer Armee oder spezifischen Regierungsmitgliedern voraussetzt. Um Antisemitismus und Rassismus wirksam zu bekämpfen, ist es unabdingbar, dieselbe Messlatte, die durch internationale Rechtsordnungen vorgegeben ist, auch an Israel anzulegen – wie an jedes andere Land, das sich als Demokratie bezeichnet.
Der Vorwurf des „importierten Antisemitismus“
In Deutschland wird der Vorwurf des „importierten Antisemitismus“ dazu benutzt, muslimische oder als muslimisch gelesene Einwanderer*innen unter Generalverdacht zu stellen. Auch muslimische Deutsche wurden in den Medien vermehrt als nicht zugehörig – weil vermeintlich übermäßig antisemitisch – dargestellt. So erklärte etwa CDU‑Politiker Philipp Amthor bereits 2020, Antisemitismus lasse „sich vor allem unter Muslimen in Deutschland finden“ und Bundeskanzler Friedrich Merz sagte in einem Interview mit dem US‑Sender Fox News Channel im Juni 2025, Deutschland habe „seit 2015 ein Problem mit importiertem Antisemitismus“, womit er pauschal Geflüchtete und Migrant*innen adressierte. Die Daten der Kriminalstatistiken, auf die sich solche Aussagen stützen, bieten für diese Art von Schlussfolgerung jedoch keine Grundlage. Laut einer Analyse von Correctiv zeigen die Zahlen zu antisemitischen Straftaten vielmehr, dass Antisemitismus in allen gesellschaftlichen Gruppen vorkommt und die Mehrheit dieser Taten aus dem rechtsextremen Spektrum stammt.[13]
Darin offenbart sich nach der Erziehungswissenschaftlerin Astrid Messerschmidt ein Projektionsbedürfnis, um sich nicht mit dem weiter bestehenden Antisemitismus der deutschen Mehrheitsgesellschaft auseinandersetzen zu müssen. Dass bestimmten Gruppen die Zugehörigkeit zur Gesellschaft abgesprochen wird, widerspricht dem Anspruch, aus der Geschichte zu lernen. Ein ernst gemeintes Geschichtsbewusstsein muss sich mit früheren und heutigen Formen der Ausgrenzung, Diskriminierung und Zuschreibung von Identitäten beschäftigen. Gerade die deutsche Vergangenheit fordert dazu heraus, gängige Ausgrenzungen in der verspätet anerkannten Migrationsgesellschaft zu hinterfragen.[14]
3. Informationsquellen in sozialen Medien: zwischen Augenzeugenschaft, Aktivismus und gezielter Desinformation
Nachdem die Berichterstattung der Leitmedien häufig durch politische Rücksichtnahmen und selektive Deutungsmuster geprägt ist, suchen viele – insbesondere junge – Menschen alternative Informationsquellen. In den sozialen Medien treffen sie auf unmittelbare Eindrücke aus dem Kriegsgebiet, auf persönliche Berichte und visuelle Zeugnisse, die in traditionellen Medien kaum vorkommen. Doch mit der Öffnung für neue Perspektiven wächst zugleich die Gefahr von Desinformation und algorithmischer Verzerrung.
Authentische Zeugnisse des Kriegsgeschehens
In den sozialen Medien finden sich zum aktuellen Krieg in Gaza viele authentische Bilder und Meldungen mit hohem Nachrichtenwert. Die Posts über Israel und die palästinensischen Gebiete lassen sich in der Regel anhand der Urheber*in des Kontos, der Beschaffenheit der Posts (Ist die Urheber*in eine verifizierte Person? Sind die Posts plausibel? Lassen sich die Angaben überprüfen durch Veröffentlichungen anderer Quellen?) und der Kontinuität der Produktionsmittel (Kamera, Ton, Stil) einordnen. Die in den Posts dargestellten, zum Teil kaum verarbeitbaren und verstörenden Bilder und Videos eines unbewohnbar gewordenen Gazastreifens sowie von Zehntausenden Toten haben etliche Rezipient*innen auf der Welt sekundär traumatisiert und begründen die Empörung über die Dehumanisierungstendenz palästinensischer Opfer in Beiträgen traditioneller Medien.
[Video: motaz_azaiza; Instagram]
Israelische Flugzeuge bombardieren eine von der UNRWA organisierte Schule im Al‑Burij-Flüchtlingscamp im Zentrum des Gazastreifens, aufgenommen und gepostet vom Fotojournalisten Motaz Azaiza am 17.07.2025.
Der inzwischen aus Gaza evakuierte junge Fotojournalist Motaz Azaiza hatte über Monate seit Kriegsbeginn direkt vor Ort berichtet und täglich teils sehr drastische Fotos und Videos für ein Millionenpublikum über seinen Instagramkanalgeteilt.
Die junge Journalistin Bisan Owda berichtet noch immer aus Gaza über ihren Instagramkanal in Videoposts, in denen sie selbst das Kriegsgeschehen kommentiert, ebenfalls für mehrere Millionen Follower*innen.
[Video: wizard_bisan1; Instagram]
Ausschnitt aus der Instagram-Reportage Dying from Hunger von Bisan Owda, aufgenommen am 23.05.2025
Auch Privatpersonen nutzen Instagram und TikTok, um auf ihre Situation im Krieg mit unterschiedlichen medialen Mitteln aufmerksam zu machen und Spenden zu sammeln, wie die Mutter der dreijährigen Leen Farra https://www.instagram.com/leenfromgaza/. Dabei versuchen medienkompetente Palästinenser*innen virale Social-Media-Hashtags wie den #turmericglow („Kurkuma-Trend“) und Memes aufzugreifen, um ein möglichst breites Publikum für ihr Anliegen zu erreichen.
[Video: @aljazeeraenglish; YouTube]
Palästinenser in Gaza nutzen auf YouTube-Shorts den viralen „Kurkuma-Trend“, um auf ihre Situation aufmerksam zu machen.
Auch nicht palästinensische Influencer*innen wie die US‑amerikanische Kleinkindpädagogin Rachel Accurso, die eine eigene Netflix-Kindersendung und auf ihrem TikTok- und Instagram-Kanal mehrere Millionen Follower*innen hat, nutzt ihre Reichweite, um auf die desolate Situation der Kinder in Gaza aufmerksam zu machen. Sie repostet Videos von Kindern aus Gaza, denen sie, eingebettet in ihren eigenen Videoposts, antwortet und ihre ethische Einschätzung der Situation teilt. Dabei nutzt sie Social-Media-Challenges wie die „Half Hearts for Gaza“-Challenge, um Spenden zu sammeln, damit Kinder mit medizinischen Notfällen aus Gaza evakuiert werden können: https://www.instagram.com/msrachelforlittles/.
Von Desinformation zu Radikalisierung – die gefährliche Dynamik sozialer Medien
Trotz der teils genuinen Informationen über den Nahostkrieg, die Schüler*innen über die sozialen Medien zu beschaffen imstande sind, müssen sie auch darüber aufgeklärt werden, welche Agenda Quellen auf Instagram oder Tiktok verfolgen können. In den sozialen Medien finden sich neben den aufgezeigten verifizierbaren Bildern und Berichten auch Falschinformation: KI‑generierte Bilder, PR und versteckte Werbung, aus ihrem ursprünglichen Kontext gerissene Bilder und Videos, Deep Fakes sowie andere bewusst gestreute Desinformation und Propaganda. Dazu kommt, dass Algorithmen der Social-Media-Plattformen Informationsangebote einengen, indem sie Follow-Vorschläge basierend auf vergangenen Klicks machen, so dass bestehende Sichtweisen eher verstärkt (Confirmation Bias), anstatt widerlegt werden. Die konstante Bestätigung der eigenen Annahmen wiederum kann zu einem emotionalisierten Tunnelblick und in seltenen Fällen auch zur Radikalisierung führen.
Demokratiegefährdende antisemitische und antimuslimische Einstellungen finden sich am stärksten in rechtsextremen Milieus und ihren Onlinepräsenzen auf YouTube, TikTok und Co. 3,3% der Bevölkerung teilen ein geschlossen rechtsextremes Weltbild[15], während laut Verfassungsschutzbericht nur etwa 0,03 % ein geschlossen islamistisches Weltbild aufweisen.[16] Islamismus ins Zentrum der Radikalisierungsprävention zu verorten gebietet sich folglich nicht.
Seit dem Gazakrieg wird in der (außer-)schulischen Bildung jedoch zunehmend im Zuge der Antisemitismusprävention eine sicherheitspolitische Perspektive auf Muslim*innen angewandt. Dabei wird versucht, vermeintlich relevantes Wissen über „die Muslim*innen“ zu vermitteln, was die Vorstellung einer unveränderlichen Andersheit verfestigen kann. Eine Untersuchung bundesweiter Lehrpläne und Schulbücher zeigt zudem, dass Schüler*innen darin muslimfeindlichen Narrativen ausgesetzt sind.
Die „Mitte-Studie“ der Friedrich Ebert Stiftung zu demokratiegefährdenden Einstellungen beklagt ebenfalls die Verknüpfung von Antisemitismus- und Islamismusprävention, womit eine Perspektivverschiebung einhergeht: Nicht Diskriminierungserfahrungen von Muslim*innen stehen im Zentrum der Bildungsarbeit, sondern der Radikalisierungsverdacht.[17] Muslimische Jugendliche werden so primär als potenzielle Täter*innen diskriminiert und nicht als Opfer von Radikalisierung adressiert.
Wie die Studien von Claim[18] und der EU-Agentur für Grundrechte[19] belegen, nehmen neben antisemitischen vor allem antimuslimische Straftaten in den letzten Jahren signifikant zu. Diese diskriminierende Dynamik spielt wiederum den wenigen als islamistisch geltenden und inzwischen vom Bundesinnenministerium verbotenen Vereinen wie Muslim Interaktiv in die Hände. Sie nutzten u. a. mediale Dokumente der Zerstörung Gazas, um junge Muslim*innen online gezielt über ihre Ausgrenzungserfahrungen anzusprechen und den Nahostkrieg zu instrumentalisieren. Auf TikTok, Instagram und YouTube inszenierten sich die Influencer*innen als moderne Muslim*innen und griffen reale Missstände – etwa Muslimfeindlichkeit oder Kriegsverbrechen Israels mit Unterstützung der USA und Deutschlands – auf, und verbreiteten dabei auch antidemokratische Narrative, die rechtsstaatliche Prinzipien ablehnen. Vor diesem Hintergrund erhöht sich für muslimische Jugendliche, die entsprechende Social-Media-Inhalte intensiv nutzen und zugleich von der Jugendarbeit seltener erreicht werden, das Risiko, emotional abgeholt zu werden und in pauschalisierende Lagerbildungen („sie“ für „der Westen“ und „wir“ für „die Muslim*innen“) hineingezogen zu werden. Durch eine popkulturelle Aufmachung ist die dogmatische Ideologie in den sozialen Medien nicht von vornherein erkennbar.
Auch proisraelische Influencer*innen, die ein Groß-Israel ohne Palästinenser*innen fordern und verfestigte dämonisierende Feind- und Selbstbilder als konstitutive Opfer aufweisen, können demokratiefeindliche Tendenzen aufweisen. Ein Beispiel ist Sarah Maria Sander, die als freie Journalistin und Influencerin tätig ist. Selbst in scheinbar moderaten Beiträgen, in denen sie sich auch gegen reale Missstände und Antisemitismus engagiert, zeigen sich extremistische Elemente. So behauptet sie etwa in einem Video[20], die ARD nutze den Begriff „Besetzung“, um Israel als „Aggressor“ zu framen – obwohl Israel nach internationalem Recht und nach Einschätzung des Auswärtigen Amts[21] seit 1967 de facto palästinensische Gebiete besetzt.
Eine wirksame Radikalisierungsprävention muss sich mit pauschalisierenden und diskriminierenden Zuschreibungen jeglicher couleur, mit generellem (religiösen) Dogmatismus, mit christlichen antisemitischen Traditionskontinuitäten sowie der Förderung von Pluralismus und Teilhabe auseinandersetzen und darf sich nicht einseitig auf eine der Radikalisierungsdimensionen fokussieren.
4. Auswirkungen unterschiedlicher Informationsräume von Lehrenden und Lernenden auf den schulischen Diskurs
Aus der Verschiebung der Informationsräume erwachsen unterschiedliche Formen von Medienvertrauen und Deutungshoheit, die den schulischen Diskurs zunehmend beeinflussen. Wie tief dieses Misstrauen gegenüber etablierten Medien reicht, lässt sich an aktuellen Erhebungen deutlich ablesen.
Vertrauensverlust und dessen Folgen für den schulischen Diskurs
Eine repräsentative Umfrage von Infratest dimap im Auftrag des NDR-Medienmagazins ZAPP, die sich in einem halbstündigen Video dem Thema der asymmetrischen medialen Repräsentation der Perspektiven auf den Krieg widmet, ergab, dass ca. die Hälfte der Befragten (48 %) wenig oder gar kein Vertrauen in die deutsche Berichterstattung zum Krieg in Gaza und Israel hat. Die Kommunikationswissenschaftlerin Carola Richter von der Freien Universität Berlin stellt fest, dass die hohen Misstrauenswerte über das ohnehin schon bestehende Grundmisstrauen gegenüber Medien hinausgehen: „Das deutet darauf hin, dass in der Berichterstattung ein Problem besteht, wenn es darum geht, Glaubwürdigkeit bei den Rezipienten zu schaffen.“[22]
[Video: NDR]
Der Ausschnitt aus dem Beitrag Vertrauen verloren? Deutsche Medien und der Gaza-Israel-Krieg des NDR-Medienmagazins ZAPP, NDR (2024), zeigt die Ergebnisse einer Umfrage von Infratest dimap über das Vertrauen in die deutsche Berichterstattung zum Nahostkonflikt. Carola Richter, Professorin am Institut für Kommunikationswissenschaft der FU Berlin, ordnet die Umfrageergebnisse ein und zeigt, dass von mehr als einem Drittel der Befragten ein Israel-Bias wahrgenommen wird.
Um die Lage der Berichterstattung zum Israel-Gaza-Krieg zu verbessern, forderten deutsche Medienschaffende Mitte September 2024 in einem Offenen Brief die Regierungen von Israel und Ägypten auf, Journalist*innen freien Zugang zum Gazastreifen zu gewähren.[23] Ende September hatten 221 Medienschaffende den Brief unterzeichnet. Auch internationale Nachrichtensender forderten in einem Protestbrief Zugang. Bis heute hat Israel den Zugang für internationale Pressevertreter*innen zum Gazastreifen gesperrt, der inzwischen als gefährlichster Einsatzort der Welt für Journalist*innen gilt. Nur in Begleitung der IDF und bei anschließender Kontrolle der Publikation kann vor Ort berichtet werden.[24] Fast 200 palästinensische Journalist*innen sind bereits getötet worden. Deutsche Medien beziehen sich aufgrund der Sperre auf ein zunehmend verschwindendes Netzwerk aus lokalen Stringer*innen, Fixer*innen wie Mohammed Abu Saif (https://www.instagram.com/mhmadabusaif/), Reporter*innen und Kameraleuten, die dazu beitrugen, dass die Berichterstattung auch in Deutschland vor allem seit Ende 2024 differenzierter wurde. Im Mai 2025 waren laut einer Umfrage 80 % der Deutschen gegen das Vorgehen Israels im Gazastreifen[25], trotz der gegenläufigen offiziellen Politik der Bundesregierung.
Dennoch hat die anfänglich verkürzte Abbildung des Krieges in den traditionellen Medien zu einem umfassenden Misstrauen in der Gesamtbevölkerung geführt und besonders die Lebensrealität zahlreicher Schüler*innen verfehlt. Das stellt auch die Deutsch-Palästinenserin Jouanna Hassoun fest, die gemeinsam mit israelischen Kolleg*innen an Schulen Workshops zum Nahostkonflikt gibt.
[Video: NDR]
Ausschnitt aus dem Beitrag Vertrauen verloren? Deutsche Medien und der Gaza-Israel-Krieg des NDR-Medienmagazins ZAPP, NDR (2024)
Jouanna Hassoun, politische Bildnerin, Menschenrechtsaktivistin und Mitbegründerin des Bildungsvereins Transaidency e. V., spricht über den Vertrauensverlust an Schulen.
Die drohende Fragmentierung der Gesellschaft
Verärgert über die Verzerrung in der Berichterstattung traditioneller Medien informieren sich viele Menschen mittlerweile ausschließlich über Social Media. Die Nachrichten in traditionellen Medien nehmen sie deshalb nur noch wahr, wenn ein Bericht auf einem Account ihrer Wahl die Leitmedien kritisiert. In den letzten Monaten zunehmend auch in Leitmedien veröffentlichte Beiträge, die auf mehr investigativer Recherche beruhen, sich intensiv mit palästinensischem Leid auseinandersetzen und die völkerrechtswidrige Kriegsführung der israelischen Regierung kritisieren, erreichen sie nicht mehr.
Andersherum erhalten diejenigen, die ihre Informationen über den Nahostkrieg ausschließlich aus den Leitmedien ziehen, nach wie vor teils tendenziöse Einordnungen und stoßen dort noch immer auf pauschale Antisemitismusvorwürfe gegenüber als propalästinensisch markierten Perspektiven.
Das führt zu einem Verstärkereffekt in der Abgrenzung der verschiedenen Informationsblasen, die gegenseitigen Stigmatisierungen nehmen zu und ein dringend notwendiger Dialog wird erschwert. Kann dieser Prozess nicht aufgehalten werden, ist davon auszugehen, dass er zu einer zunehmenden Fragmentierung der Gesellschaft führt, wie die Kommunikationswissenschaftlerin Carola Richter prognostiziert.
[Video: NDR]
Ausschnitt aus dem Beitrag Vertrauen verloren? Deutsche Medien und der Gaza-Israel-Krieg des NDR-Medienmagazins ZAPP, NDR (2024)
Carola Richter, Professorin für Kommunikationswissenschaft, spricht über Verstärkereffekte der verschiedenen Informationsblasen und eine zunehmende Fragmentierung der Gesellschaft.
5. Dialogräume stärken: Wege zu einem gemeinsamen Verständnis im Unterricht
Angesichts der wachsenden Kluft zwischen den medialen Erfahrungswelten von Lehrenden und Lernenden kommt der Schule eine besondere Rolle zu: Sie muss zum Ort werden, an dem Informationen überprüft, Emotionen eingeordnet und unterschiedliche Perspektiven respektvoll besprochen werden können.
Herausforderungen für die Bildungsarbeit
Eine zentrale Herausforderung für die Bildungsarbeit in der Schule besteht für Lehrende darin, mit ihren Schüler*innen in einen offenen und multiperspektivischen Austausch über den Israel-Gaza-Krieg und den Nahen Osten zu kommen und ihr Vertrauen in eine tolerante und mehr fakten-, weniger meinungsbasierte Gesprächskultur zurückzugewinnen. Das wird nur durch ein offenes Angebot und die beherzte Thematisierung des Problems im Unterricht gelingen. Neben der Notwendigkeit eines antisemitismuskritischen Ansatzes im Gespräch über Israel und die palästinensischen Gebiete ist auch eine rassismuskritische Perspektive zwingend.
Didaktische Ansätze zur Bearbeitung des Themas
In einer vergleichenden medienanalytischen Arbeit anhand je eines interessengestützten und eines unabhängig-investigativen Beitrags sowohl aus den klassischen Medien als auch aus den sozialen Medien können gemeinsam Erkenntnisse über den Aufbau und die Wirkung von Informationsbeiträgen zusammengetragen werden. Im besten Fall können Lehrende und Schüler*innen sich gegenseitig unterstützen, ein kritisches Vertrauen in bisher ungenutzte oder durch zunehmenden Vertrauensverlust abgewählte Informationsangebote neu aufzubauen.
Medienkritische Reflexion sollte dabei stets mit ethischer Urteilsbildung verbunden werden. Verantwortung für Geschichte und Gegenwart bedeutet, universelle Menschenrechte zu verteidigen und jene Menschen zu schützen, die sie teils unter Einsatz ihres Lebens in Israel und Gaza zu erhalten versuchen. Um dieser Verantwortung gerecht zu werden, ist die breite, demokratische Teilhabe am Diskurs unterschiedlicher Stimmen, solange sie das Existenzrecht des anderen anerkennen, unabdingbar.
Das Thema ermöglicht ein medienkritisches Verständnis der Qualitäten unterschiedlicher Quellen und ihres jeweiligen Interesses, bei dem Schüler*innen und Lehrer*innen voneinander lernen und das Zulassen unterschiedlicher Sichtweisen (Ambiguitätstoleranz) erproben können. Solche Fragen führen von der theoretischen Analyse zur politischen und ethischen Urteilsbildung.
Im hier verlinkten Medienradar-Artikel Abbau von Ressentiments im Kontext des Nahostkonflikts wird die Arbeit des Lehrers Hèdi Bouden vorgestellt, der in verschiedenen theater- und medienpädagogischen Projekten gemeinsam mit seinen Schüler*innen Bezug auf von Antisemitismus und antimuslimischem Rassismus geprägte Vorurteile im Klassenraum nimmt und diesen gezielt entgegenwirkt. Jene Ansätze zeigen, wie schulische Bildungsarbeit dazu beitragen kann, Räume für würdevollen, multiperspektivisch informierten Dialog zu schaffen.
1. Anmerkung: Die Hamas wurde über Jahre von Netanjahus Regierung unterstützt [https://www.spiegel.de/ausland/israel-wie-ausgerechnet-benjamin-netanyahu-die-hamas-gross-werden-liess-a-fbdb30c4-1bf1-4814-b516-d95774736e80, zuletzt abgerufen am 11.12.2025], um als vom Westen geächtete Terrororganisation als Gegengewicht zur säkularen Palästinensischen Befreiungsorganisation (PLO) zu fungieren und so die Gründung eines unabhängigen palästinensischen Staates zu verhindern. [https://www.timesofisrael.com/for-years-netanyahu-propped-up-hamas-now-its-blown-up-in-our-faces/, zuletzt abgerufen am 11.12.2025]
2. Niklas Kullick: Israel setzt auf eine High Tech Propaganda Maschine, veröffentlicht am 26.06.2025, in: jacobin.de, https://jacobin.de/artikel/israel-social-media-youtube-palantir-tech (zuletzt abgerufen am 11.12.2025).
3. Fabian Goldmann: Gazas Mehl-Massaker: Wie deutsche Medien israelische Kriegsverbrechen verschleiern, veröffentlicht am 03.03.2025, in: schantall-und-scharia.de, https://www.schantall-und-scharia.de/mehlmassaker/ (zuletzt abgerufen am 11.12.2025).
4. Friedbert Meurer im Gespräch mit Evelyn Hecht-Galinski: „Sprachrohr der israelischen Regierung“, veröffentlicht am 01.09.2006, in: Deutschlandfunk, https://www.deutschlandfunk.de/sprachrohr-der-israelischen-regierung-100.html (zuletzt abgerufen am 11.12.2025).
5. Ronja Merkel im Gespräch mit Moshe Zuckermann: „In Deutschland hat keine gute Aufarbeitung stattgefunden“, veröffentlicht am 08.11.2018, in: Journal Frankfurt, https://www.journal-frankfurt.de/journal_news/stadtleben-2/Interview-mit-Moshe-Zuckermann-In-Deutschland-hat-keine-gute-Aufarbeitung-stattgefunden-33024.html (zuletzt abgerufen am 11.12.2025).
6. Mandy Tröger im Gespräch mit Kai Hafez: Der Gaza-Krieg, die deutschen Medien und die »falsche Seite der Geschichte«?, veröffentlicht im Februar 2024, in: journalistik.online, https://journalistik.online/ausgabe-2024/der-gaza-krieg-die-deutschen-medien-und-die-falsche-seite (zuletzt abgerufen am 11.12.2025).
7. Tom K. Würdemann: „Es geht hier nicht um Deutschland“, veröffentlicht am 03.09.2024, in: taz.de, https://taz.de/Berichterstattung-ueber-Nahostkonflikt/!6031066/ (zuletzt abgerufen am 11.12.2025).
8. Johannes Schneider: Die Einseitige, veröffentlicht am 02.06.2025, in: zeit.de, https://www.zeit.de/kultur/2025-06/greta-thunberg-gaza-segelschiff-ngo-israel (zuletzt abgerufen am 11.12.2025).
9. Peter Ullrich: Wird ausgerechnet Anti-Antisemitismus zu einem Katalysator der autoritären Wende?, veröffentlicht im Dezember 2024, in: zeitschrift-luxemburg.de, https://zeitschrift-luxemburg.de/artikel/anti-antisemitismus/ (zuletzt abgerufen am 11.12.2025).
10. Emran Feroz: Für die Toten zu spät, veröffentlicht am: 12.06.2025, in: taz.de, https://taz.de/Verschiebung-der-Gaza-Debatte/!6090252/ (zuletzt abgerufen am 11.12.2025).
11. Charlotte Misselwitz: Der Antisemitismus der Antisemitismusbekämpfer, veröffentlicht am 15.10.2024, in: jacobin.de, https://jacobin.de/artikel/antisemitismus-antideutsche-moshe-zuckermann-judith-butler (zuletzt abgerufen am 11.12.2025).
12. Armin Ghassim, Lisa Maria Hagen, Jonas Schreijäg, Atiena Abednia: Antisemitismus: Hilft leichtfertiger Umgang bei der Bekämpfung?, veröffentlicht am 13.11.2025, in: jacobin.de, https://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/panorama/archiv/2025/antisemitismus-hilft-leichtfertiger-umgang-bei-der-bekaempfung,antisemitismus-vorwurf-waffe-100.html (zuletzt abgerufen am 11.12.2025).
13. Paulina Thom: „Importierter Antisemitismus“? Warum Fachleute Merz widersprechen, veröffentlicht am 03.07.2025, in: correctiv.org, https://correctiv.org/faktencheck/hintergrund/2025/07/03/importierter-antisemitismus-warum-fachleute-merz-widersprechen/ (zuletzt abgerufen am 11.12.2025).
14. Astrid Messerschmidt: Weder antimuslimisch noch antisemitisch, veröffentlicht am 20.12.2023, in: migazin.de, https://www.migazin.de/2023/12/20/gewaltverhaeltnisse-weder-antimuslimisch-noch-antisemitisch/ (zuletzt abgerufen am 11.12.2025).
15. Andreas Zicke, Beate Küpper, Nico Mokros, Marco Eden (Hg.), Franziska Schröter, herausgegeben für die Friedrich-Ebert-Stiftung: Die angespannte Mitte. Rechtsextreme und demokratiegefährdende Einstellungen in Deutschland 2024/25, veröffentlicht am 06.11.2025, https://www.fes.de/index.php?eID=dumpFile&t=f&f=159776&token=c046b94f061255878306ea930e95f1bee68c2006 (zuletzt abgerufen am: 11.12.2025)
16. Bundeszentrale für politische Bildung: Zahlen zur islamistischen Szene in Deutschland, veröffentlicht am 20.07.2023, https://www.bpb.de/themen/infodienst/337749/zahlen-zur-islamistischen-szene-in-deutschland/ (zuletzt abgerufen am: 11.12.2025)
17. Andreas Zicke, Beate Küpper, Nico Mokros, Marco Eden (Hg.), Franziska Schröter, herausgegeben für die Friedrich-Ebert-Stiftung: "Die angespannte Mitte. Rechtsextreme und demokratiegefährdende Einstellungen in Deutschland 2024/25", veröffentlicht am 06.11.2025, https://www.fes.de/index.php?eID=dumpFile&t=f&f=159776&token=c046b94f061255878306ea930e95f1bee68c2006 (zuletzt abgerufen am: 11.12.2025)
18. Claim: Zivilgesellschaftliches Lagebild antimuslimischer Rassismus, veröffentlicht am 30.06.2025, https://www.claim-allianz.de/content/uploads/2025/06/claim_lagebild25_250630_web.pdf?x12647 (zuletzt abgerufen am: 11.12.2025)
19. European Union Agency for Fundamental Rights: Muslime in Europa zunehmend Opfer von Rassismus und Diskriminierung, veröffentlicht am 21.10.2024, https://fra.europa.eu/de/news/2024/muslime-europa-zunehmend-opfer-von-rassismus-und-diskriminierung (zuletzt abgerufen am: 11.12.2025)
20. Sarah Maria Sander: Sophie von der Tann: Eine Analyse ihrer Berichterstattung seit dem 7. Oktober, veröffentlicht am 21.07.2025 auf youtube.de, https://www.youtube.com/watch?v=wdx6mbCvEZU (zuletzt abgerufen am: 11.12.2025)
21. Auswärtiges Amt: Besetzte Gebiete, veröffentlicht am 21.10.2024, https://www.auswaertiges-amt.de/de/aussenpolitik/nahermittlererosten/besetzte-gebiete-2263564 (zuletzt abgerufen am: 11.12.2025)
22. Norddeutscher Rundfunk: NDR ZAPP-Umfrage: Wenig Vertrauen in deutsche Berichterstattung zum Gaza-Israel-Krieg, veröffentlicht am 28.08.2024, https://www.ndr.de/der_ndr/presse/mitteilungen/NDR-ZAPP-Umfrage-Wenig-Vertrauen-in-deutsche-Berichterstattung-zum-Gaza-Israel-Krieg,pressemeldungndr24698.html (zuletzt abgerufen am 11.12.2025).
23. Baha Kirlidokme: In Deutschland gilt die Pressefreiheit, außer bei Gaza, veröffentlicht am 26.09.2024, in: jacobin.de, https://jacobin.de/artikel/gaza-israel-pressefreiheit-offener-brief (zuletzt abgerufen am 11.12.2025).
24. William Lafi Youmans: Die Presse und Gaza, veröffentlicht im Februar 2024, in: journalistik.online, https://journalistik.online/ausgabe-2024/die-presse-und-gaza/ (zuletzt abgerufen am 11.12.2025).
25. atr/dpa-AFX/AFP: 80 Prozent der Deutschen kritisieren Israels Vorgehen im Gazastreifen, veröffentlicht am 24.05.2025, in: spiegel.de, https://www.spiegel.de/ausland/israel-gaza-konflikt-deutsche-bevoelkerung-kritisiert-laut-umfrage-israels-vorgehen-im-gazastreifen-a-da6630fa-8c9c-43a7-9fbf-2c0fd88a68cd (zuletzt abgerufen am 11.12.2025).
Jana Papenbroock studierte Kunstgeschichte in Paris und audiovisuelle Medien an der Kunsthochschule für Medien in Köln. Neben ihrer freien Prüftätigkeit für die Freiwillige Selbstkontrolle Fernsehen (FSF) arbeitet sie als Dokumentarfilmemacherin im Bereich der visuellen Anthropologie und als Autorin und Übersetzerin für Theater-, Film- und Radioprojekte mit überwiegend transkultureller, neurodiverser, sozialer und ökologischer Thematik.

[Bild: privat]
- Artikel
- Eine kritische Analyse filmischer Perspektiven
- Artikel
- Ein Verzeichnis zur besseren Kommunikation des Klimanotstandes
- Artikel
- Theater- und medienpädagogische Interventionen in Schulprojekten